Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Bald ist Winter…

In der einen Woche, die wir weg waren, ist hier auf einmal Spätsommer geworden. Die Vogelbeeren sind rot, Birkensamen wirbeln durch die Luft wie Schnee, Wespen nerven, die ersten Austauschstudenten sind angekommen, und im Studentendorf-Kauppa habe ich gestern auch prompt einen deutschen Euro als Wechselgeld bekommen. Aber am allerschlimmsten – es wird nachts wieder dunkel! Richtig dunkel! Der Himmel ist schwarz und voller Sterne, um Mitternacht steht der Grosse Wagen genau in unserem Schlafzimmerfenster, und es ist so still. Kein Sprosser singt mehr, keine Möwe kreischt, selbst der Fasan ist still. Wie schnell das alles geht! Bald wird wieder Winter sein! ;-)


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Nette Freizeitbeschäftigungen in Turku:

(3) Rullern

„Rullern“ sieht so aus:

Es ist eine Wortschöpfung von Pinni und mir aus dem finnischen Wort „rullaluistella“ = „roll-schlittschuhlaufen“ und der schönste Sommersport überhaupt. Unsere Inlineskates haben wir schon vor ein paar Jahren in Jena gekauft, die Möglichkeiten, sie zu nutzen, beschränkten sich aber im Wesentlichen auf den Radweg von Lobeda in die Stadt, der zudem noch zu fast jeder Tageszeit hoffnungslos überfüllt war. Auf dem gut ausgebauten und weitläufigen Radwegenetz in und um Turku macht es erst richtig Spass. Am Anfang haben wir uns immer besonders schöne Wege ausgesucht, meist über die Inseln, aber jetzt haben wir gerade die Radwege durch die Turkuer Vororte für uns entdeckt, die sich besonders für abendliches Rullern direkt von unserer Haustür aus eignen.
Mit Helm sind wir auch schon immer gefahren, allerdings werden wir hier endlich nicht mehr schief angeguckt deswegen. Hier hat auch mindestens jeder Zweite beim Radfahren einen Helm auf, selbst sehr alte Leute, was wir sehr vernünftig finden. Die Stöcke haben wir uns im Frühjahr zugelegt, nachdem wir das bei vielen Rullerern hier gesehen haben. Man wird unheimlich schnell damit, und bergauf geht’s auch besser. Unseren 30km-Rekord vom Rheinradweg, für den wir damals einen ganzen Tag gebraucht haben, hatten wir damit innerhalb von ein paar Stunden gebrochen. Vielleicht fühle ich mich dann beim ersten Schnee auch nicht wieder gar so wie eine bleierne Ente auf Skiern…
Und jetzt muss ich das ausnahmsweise warme und trockene Wetter nutzen und…
rullern gehen! :-)

(2) Fähre fahren I
(1) Fähren gucken


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Zurück zu Hause

Deutschland war sehr seltsam, irgendwie natürlich sehr vertraut und doch ganz fremd. Ich war nach 7 Monaten zum ersten Mal wieder da und fand selbst die weissen Verkehrsschilder gewöhnungsbedürftig. Und dass es so unglaublich laut und voll ist und die Strassen voller funkelnagelneuer Autos. Und dass die Toilettenschlösser in die andere Richtung funktionieren. Und dass es trotz des auch in Deutschlands eher kühlen und regnerischen Sommers schon so herbstlich braun aussah. Auf dem völlig unorganisierten Flughafen in Köln hätte ich eigentlich gleich schon mal die ersten Anfälle kriegen können. Und am allerkomischsten war, dass alle deutsch sprachen, dass ich gezwungenermassen alles verstehen musste, was sich Hinz und Kunz auf der Strasse und im Bus erzählten und ich mich jedes Mal angesprochen fühlte. Und diese Unfreundlichkeit! Unter der habe ich am meisten gelitten. Das “Gehen Sie weiter!”, in scharfem Ton von einer uniformierten Beamtin bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen mir mehr befohlen als gesagt, als ich nur noch auf Vidal warten wollte, und das Gedrängel beim Einsteigen ins Flugzeug sind die letzten Eindrücke, die ich aus Deutschland mitgenommen habe…

Natürlich habe ich es auch ein bisschen genossen – jeden Abend wegzugehen und Freunde zu treffen und leckere Sachen zu essen und Cocktails zu trinken. (In Finnland gibt es leider überhaupt keine netten, kleinen Kneipen, in denen man abends mal was Kleines essen kann. Wenn man hier weggeht, dann nur zum Trinken, was erstens unerschwinglich ist und zweitens auch nur schnell zu Volltrunkenheit führen soll, weswegen hier Sachen wie leckere Cocktails fast gänzlich unbekannt sind.) Als wir nach Jena gekommen sind, war ich sogar richtig aufgeregt. Und auch ein bisschen gerührt. Jena ist eben doch soooooo schön! Wir haben eine Menge Leute getroffen, grösstenteils ohne Verabredung, wie das eben so ist in einer „Kleinstadt“ wie Jena. In nur zwei Tagen liefen uns in der Stadt unsere ehemalige Hausärztin, der Sohn unseres Fahrradhändlers, die Freundin eines ehemaligen Kommilitonen, ein Diplomand von Vidal, sein ehemaliger Mitbewohner, eine Frau, die mal mit mir mit der Studentengemeinde Theater gespielt hat, Vidals Ex-Freundin, einer aus dem Umweltamt, unsere Nachbarin aus Lobeda sowie noch ungefähr fünfzehn andere Freunde und Bekannte über den Weg. Am allerlustigsten war, dass, als wir gerade aus Bonn in Jena ankamen und auf der Schnellstrasse Richtung Zentrum fuhren, mein Handy klingelte und mein Freund Jan, der uns diese Woche in Turku besuchen kommt, dran war und fragte, ob wir grade in Jena seien. Er kam gerade von Dienstreise zurück aus Wetzlar und war auf dem Weg nach Chemnitz und wusste, dass wir irgendwann in der Woche in Jena sind. Wir haben also wirklich viele Leute getroffen und es genossen, durch Jena zu spazieren und abends in der Wagnergasse draussen zu sitzen, und sogar den Abschiedsspaziergang auf den Jenzig, den wir im Winter nicht mehr geschafft haben, haben wir noch nachgeholt. Aber so auf Besuch ist es doch etwas Anderes als wenn ich wieder richtig da leben müsste. Ich bin wirklich froh, wieder zu Hause zu sein!!!

Hier habe ich anscheinend nichts verpasst. William und Peter wollten letzte Woche für mich Mäuse fangen gehen, konnten aber erstmal drei Tage lang nichts machen wegen sintflutartigen Regenfällen und Windstärken bis 16 m/s (ab 9 m/s wird’s mit unserem Boot schon ungemütlich). Dieser Sommer ist… nein, Sommer kann man das eigentlich nicht nennen!!! Auf der Busfahrt gestern von Helsinki nach Turku sind uns auch gleich sofort die unter Wasser stehenden Felder überall aufgefallen, und abends bekam ich dann noch eine Mail von Ines samt Beweisfotos: ihre Mäusegehege in Konnevesi sind vollständig mit Wasser gefüllt! (Und die Zäune dieser Gehege sind einen Meter hoch!!!) Und ich dachte schon, nur ich auf meinen Inseln hätte besondere Schwierigkeiten mit der Feldarbeit! In Mittelfinnland waren viele Orte sogar von der Umwelt abgeschnitten, weil die Strassen überflutet waren, und der Konnevesi ist um 20 cm gestiegen.
ICH HAB LANGSAM KEINEN BOCK MEHR AUF DIESEN SOMMER!!!