Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

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Ein Kommentar

Letztes Jahr sah mein Geburtstag folgendermassen aus: früh noch schnell in die Uni, mich noch um die letzten Meerschweinbabys kümmern, mein Büro aufräumen, ein letzter Schwatz mit Melanie und zum Mittagessen die Geburtstagstorte, die sie mir gebacken hat, nachmittags mein Bielefelder Zimmer ausräumen und saubermachen, während der Liebste versucht, den Stapel Sachen, der dreimal so gross wie das Auto ist, von neben dem Auto in das Auto zu befördern, um neun schaukelten wir damit endlich auf die Autobahn und waren halb zwei nachts in Jena. :-(
Dieses Jahr wollte ich das ganz anders. Experimente und Zeitdruck hin oder her, dieses Jahr wollte ich frei haben an meinem Geburtstag, und am liebsten wegfahren. Also waren wir Montag und Dienstag in Tallinn. Der Liebste hat alles organisiert, ich wusste bis Montagfrüh noch nicht einmal, wo es hingeht (aber eine Ahnung hatte ich schon… :-) ). Uuuuiiii, war das schön! :-)

Von Helsinki kann man mit diversen Fährgesellschaften und unterschiedlichen Schiffstypen, neuerdings sogar mit dem Hubschrauber, in kurzer oder kürzerer Zeit nach Tallinn reisen. Wir wollten schon lange mal mit der Schnellfähre fahren. Die schafft 70 km/h und geht ganz schön ab! Mächtig geschaukelt hat sie auch, es waren riesige Wellen auf der Ostsee, aber mit so einem grossen Boot konnte es mir endlich einmal egal sein, und wir mussten ja auch mal auf keiner Insel anlanden. ;-) Nach 1 1/2 h waren wir schon da.

Tallinn hat uns noch viel besser gefallen als Stockholm. Es ist keine Stadt, die schon seit 50 Jahren nur für Touristen hingestellt scheint, makellos und herausgeputzt. Es ist eher eine Stadt im Aufbruch. Viele Gebäude sind schon wunderschön restauriert, andere, etwas ausserhalb, stehen noch da, etwas krumm, mit bröckelndem Putz, manchmal mit einer kleinen Birke, die aus der Dachrinne wächst, und haben ihren ganz eigenen Charme. Und an allen Ecken und Enden der Stadt wird gebaut.
Tallin ist sehr, sehr klein für eine Hauptstadt, bestimmt nicht grösser als Turku. Es hat eine wunderbar erhaltene Altstadt mit einer fast noch vollständigen Stadtmauer. Lauter kleine Gassen mit Buckelpflaster, viele Kirchen, auch eine prächtige orthodoxe mit Zwiebeltürmen. Bunte Häuschen. Na klar, die Deutschen waren auch schon da, und haben das wohl kitschigste Haus von ganz Tallinn da hingebaut! Im Stil der Torten, die in der Konditorei gegenüber im Schaufenster liegen. Hm, lecker. In Tallin gibt es eine Kneipe und ein Café am anderen. Nicht sooo billig, weil es schliesslich eine Touristenstadt ist, aber auch nicht sooo teuer, und alles sehr lecker und sehr gemütlich. Überall gibt es Katzen. Furchtbar dünne, auch dicke – entweder mit Halsband, oder weil sie schwanger sind.
Kalt war’s. Obwohl die Sonne schien. Aber es wird wohl doch langsam Herbst. Besonders verlockend waren deshalb die Pulloververkaufsstände an der Stadtmauer. Norwegerpullover in allen Ausführungen – mit Kapuze, ohne Kapuze, mit traditionellem Norwegermuster, mit Tieren, bunt, einfarbig… Diesen Herbst werde ich nicht den H&M-Einheitspullover kaufen, mit dem dann jeder zweite auf der Strasse zu sehen ist! ;-)
Ausserhalb der Altstadt gibt es neue moderne, oder alte modernisierte, Hotels mit 20 und mehr Stockwerken. Der Liebste wollte uns eigentlich dort ein Zimmer buchen, weil er weiss, wie gerne ich irgendwo weit oben wohne und Ausblick habe. *gerührtgewesensei* Aber leider war dort schon alles ausgebucht, so sind wir in einem kleinen, alten, gemütlichen Hotel in der Altstadt gelandet. Das war auch toll.
Am Horizont gibt es ein grosses Neubaugebiet, und rot-weiss gestreifte Schornsteine, und in Tallin fahren noch Tatra-Strassenbahnen! Das war ein bisschen wie eine Zeitreise zurück. :-)
Auf der Strasse hört man viel Russisch, obwohl die eigentliche Landessprache Estnisch ist und mit Russisch gar nichts zu tun hat. Estnisch ist am nächsten mit Finnisch verwandt. Geschriebenes Estnisch ist für jemanden, der Finnisch kann, auch halbwegs zu verstehen, auch wenn es ein wenig aussieht wie Finnisch für Besoffene. Das finnische „y“ ist ein „ü“, die im Finnischen harten Konsonanten sind im Estnischen weich, und der letzte Buchstabe fehlt. „Hafen“ z.B. ist auf Finnisch „satama“, auf Estnisch „sadam“. Und es gibt überraschend viele deutsche Lehnwörter. Das „Reisibüroo“ in der Strasse gleich hinter unserem Hotel und die „Duššimüts“ im Badezimmer waren unsere lustigsten Entdeckungen.

Das war ein schöner Geburtstag! Danke!!! :-)

(Alle Fotos zusammen gibt’s hier.)

Ein Kommentar zu “.

  1. Das Reisibüroo gab es bei meinem Besuch im Juli 2008 auch noch und wurde schmunzelnd zur Kenntnis genommen ^^

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