Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Warten, Warten, Warten

Ein Kommentar

Wenn man im Archipelago arbeitet, braucht man gelegentlich sehr viel Geduld, starke Nerven und vor allem einen grossen Berg Lesestoff.

Am Dienstag warteten wir auf besseres Wetter am Mittwoch.

Am Mittwoch warteten wir darauf, dass sich die See beruhigt und Mikael uns in Kasnäs abholen kann. Mittwoch war definitiv ein schöner Tag. Mit viel Sonne und solch intensiv grünen Wiesen und einem solch intensiv blauen Meer, wie es es nur in Finnland gibt. Kurz vor Kasnäs gibt es eine Strassenfähre, auf die mussten wir auch nicht warten. Im Gegenteil. Als wir ankamen, hatte sie gerade abgelegt. Aber als sie uns sah, kam sie nochmal zurück. DAS gibt es definitiv nur in Finnland! :-) Auf Mikael mussten wir auch nicht warten. Dafür hat uns der Mann mal wieder mit seiner grossartigen Fähigkeit zum Mitdenken begeistert: als das Boot beladen und wir abfahrbereit waren, warf er sich seine Schwimmweste über, hielt plötzlich inne und fragte, ob wir beide eigentlich Schwimmwesten hätten. Noch NIE bin ich in Finnland mit jemandem Boot gefahren, der nicht mehr als genug Schwimmwesten für eventuelle Mitfahrer im Boot gehabt hätte. Aber klar, William und ich haben ja neuerdings unsere persönlichen Schwimmwesten immer und überall im Handgepäck! *grmpf* Mittwochabend haben wir tatsächlich noch ein bisschen gearbeitet.

Donnerstag warteten wir mit Bangen auf den angekündigten Sturm und waren froh, dass er sehr lange auf sich warten liess und wir wenigstens anderthalb Inseln vegetationsmässig erfassen konnten. Nebenbei warteten wir natürlich auf plötzliche Geistesblitze, die unsere spärliche Artenkenntnis erhellen würden. Leider vergeblich. Deswegen hat alles auch so lange gedauert. Besonders romantisch war, dass, während wir auf unserer Insel hockten und Pflänzchen zählten, die finnische Armee rund um uns Krieg spielte. Im Süden andauerndes Kanonengrollen, im Norden Helikoptergedröhne, im Westen wummerte ab und zu ein Kriegsschiff vorbei, und Düsenjäger schossen im Tiefflug über uns und unser Inselchen weg. Wahrhaft seeeehr schön!

Freitagfrüh wachten wir auf und begannen darauf zu warten, dass der Regen aufhört. Mittags um elf tat er uns auch schon den Gefallen. Allerdings nur, um sofort in dicksten Nebel überzugehen. Wenn man keine hundert Meter weit sehen kann, sollte man sich nicht aufs Meer begeben. Sechs Menschen und ein Hund sassen also im mökki und warteten. Lasen und schrieben und machten Feuer und assen und schliefen… alles sehr schöne Dinge, wenn einem nicht die viele Arbeit für einen viel zu kurzen Sommer im Nacken sässe. Wir warteten also weiter geduldig auf Auflösung des Nebels. Umsonst. Wenigstens hat er die Armee auch vom Kriegspielen abgehalten. Schön ruhig war’s.

Als es Samstagfrüh wieder regnete, warteten wir… nein, nicht darauf, dass es aufhört, sondern nur noch darauf, dass uns jemand von der Insel wegbringt und wir wieder nach Turku können. Natürlich waren die Minkleute heute besonders lange beschäftigt. Natürlich brauchte Mikael hinterher besonders lange, seine dreizehn Säcke und Taschen zu packen. Also warteten wir geduldig. Wobei ich endgültig meine beiden Bücher und die ganze (!) Kuukausiliite zu Ende auslas. Die Heimfahrt war eine einzige eine Stunde lang dauernde Salzwasserdusche.

Weiss jemand ein gutes Buch über Seefahrt, es muss viel Sturm und Nebel drin vorkommen, die Wellen müssen über Deck spülen und die Mannschaft muss sich mit Seilen festbinden müssen, um nicht über Bord zu gehen… weiss jemand so ein Buch? Das möcht’ ich jetzt lesen.

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