Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Hausarbeit auf Finnisch

Ein Kommentar

Ich habe noch die Stimme meiner Russischlehrerin im Ohr, als wir, in der 6. Klasse oder so, darüber berichten mussten, was wir an jedem Tag der Woche tun, und sie ganz empört fragte:“Macht ihr denn sonnabends nicht sauber?!“ Nee, wir gingen sonnabends lieber in die Natur. Das ist bis heute so geblieben. Wenn es dann aber ausgerechnet am Wochenende kalt sein muss und stürmen und regnen, dann kann man auch mal sonnabends saubermachen. Obwohl ich jegliche Art von Hausarbeit hasse. Aber Manches geht hier in Turku viel einfacher:

Wer mich kennt, der weiss, dass Geschirrspülen für mich eine der weniger schlimmen Hausarbeiten ist. Aber das Wegräumen hinterher! In Finnland kein Problem. Hier gibt’s in jeder Küche einen „Geschirrtrockenschrank“ über der Spüle.

Gespültes Geschirr wird zum Abtropfen einfach da rein gestapelt, Tür zu, fertig. Sieht ordentlich aus und kann so stehen bleiben bis zum nächsten Abwaschen. Im besten Fall hat man alle Sachen aus dem Trockenschrank schon wieder benutzt bis dahin, dann muss man überhaupt nicht räumen.

Wäsche waschen ist auch nicht schlimm. Seit unsere Waschmaschine aus Jena auch hier angekommen ist, muss ich dazu nicht mal mehr drei Häuser weiter in den studentendorfeigenen Waschmaschinenraum gehen. Im Winter tu’ ich’s aber meistens doch, NACH dem Waschen. Einen Trockner zu benutzen geht mir irgendwie gegen mein Umweltgewissen. Aber dort gibt’s auch einen Trockenraum mit so einer Warme-Luft-puste-Maschine, die sowieso immer an ist, und dort ist die Wäsche nach einer Stunde trocken. Ausserdem gibt’s dort eine extra grosse und extra robuste Waschmaschine für Teppiche. In Jena habe ich mal versucht, als ich es gar nicht mehr mit ansehen konnte, unseren Teppich in der Badewanne zu waschen. Das war eine Viecherei, und der Erfolg war auch nur mässig. Jetzt leuchten alle unsere IKEA-Teppiche wieder.

Fussböden wischen muss man ja zum Glück nicht allzu oft. Obwohl, im Bad wär’s schon besser. Aber wischen, so mit Eimer und Scheuerhader? Nicht hier. In finnischen Bädern gibt’s keine Duschkabinen. Das ganze Bad hat wasserdichten Fussbodenbelag, in einer Ecke ist dann die Dusche mit Abfluss direkt im Fussboden. Also kann man auch schon mal mit der Dusche gleich das ganze Bad unter Wasser setzen und allen Dreck einfach wegspülen. Hinterher mit dem „Fussboden-Fensterputzer“, den man sowieso dringend braucht, weil unter dem Duschvorhang IMMER Wasser noch in das halbe Bad spritzt, einfach die Wasserreste „zusammenkehren“, und weg. Und sauber.

Das Schlimmste an dieser Wohnung ist der Staub. Unendlich viel Staub. Dagegen habe ich leider noch keine finnische Lösung gefunden. Vielleicht aber ist diese Wohnung auch gar nicht aussergewöhnlich staubig. Vielleicht war nur unsere vorherige Wohnung – in einem komplett ferngeheizten Stadtteil und im 11. Stock – nur besonders unstaubig. Vielleicht lässt sich das ja auch irgendwann wieder machen. Ich leide schon ein wenig an Höhenentzug, und jedes Mal, wenn wir an den neuen Hochäusern am Hafen vorbeifahren, gucke ich sehr sehnsüchtig auf die obersten Stockwerke…

Ein Kommentar zu “Hausarbeit auf Finnisch

  1. Pingback: Urlaub in Stichpunkten « Hier und da

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s