Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

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Haaach, das war mal ein schöner Urlaub…

-20°C, 50 cm Schnee, 2 ½ h Sonne am Tag, die je nach Wetterlage orange oder tiefrot am Horizont entlangkriecht und nach ihrem Untergang die Landschaft noch für eine Stunde in dieses blau und rosa Licht taucht… und unser gemütliches, hölzernes mökki mitten im dick verschneiten Wald – wenn nicht gegenüber aus 2 km Entfernung der Abfahrtshang geleuchtet hätte wie eine Erdölfraffinerie, wir hätten uns gefühlt wie im Märchenwald.

Wir haben lange geschlafen, sind jeden Tag ein Stückchen skigefahren, haben viel gelesen, ich habe Fotos eingeklebt, Briefe geschrieben, wir haben den ganzen Tag unseren Kamin geheizt (prima Sache, um sich nach dem Skifahren den Hintern zu wärmen, Würstchen zu grillen oder obendrauf stundenlang Milchreis quellen zu lassen), wir waren jeden Abend in der Sauna und haben uns auch in meinem zweiten finnischen Winter noch gewundert, dass man danach auch bei -25°C noch nackt draussen stehen kann, ohne sich den Tod zu holen, nur die Haarspitzen gefrieren. Wir haben uns Eislichter gebaut (einen Eimer Wasser eine Nacht lang gefrieren lassen, umstülpen, das restliche Wasser ausschütten, Kerze reinstellen), gemeinsam gekocht, und ich habe auch mal wieder ein bisschen Zeit für meine Schweinchen gehabt. Vatanen und Ronkainen waren ihrerseits vergnügt und sind herumgesprungen und –gerannt wie die Verrückten, und ich war froh, dass sie sich nach dem ganzen Umzugschaos endlich mal wieder ausserhalb ihres Käfigs austoben konnten.

Hingefahren sind wir letzte Freitagnacht mit dem Autozug nach Rovaniemi, damit es auch wirklich ein erholsamer Urlaub wird. (Von Rovaniemi waren es dann nur noch 150 km zu fahren.) J-FI stand hinter der Lok in der Kälte (aber immerhin mit einer Steckdose für seine Motorheizung versehen, auch daran wird hier gedacht), und wir konnten die ganze Nacht im Schlafwagen schlafen, zwei Waggons hinter ihm. Man muss eben nur dran denken, alles, wirklich alles, was keinen Frost verträgt, mit in den Zug zu nehmen. Als wir in Rovaniemi ankamen, waren es „nur“ -12°C, aber es hätten auch leicht -30 sein können. Dafür gibt es in einem Einkaufszentrum in Rovaniemi eine Tiefgarage mit sich automatisch per Lichtschranke öffnenden und schliessenden Toren, damit es drin frostfrei bleibt. Gestern Nachmittag, als wir J-FI samt der „Reiseschweinchen“ an Bord wieder dort zwischenparkten bis zur Abfahrt unseres Zuges, stellten dort auch die Teilnehmer der Historic Lapland Rallye ihre Autos ab – vom Käfer über uralte Volvos bis zu so einem runden Škoda, wie ihn auch unser Jožko in der Slowakei seit 30 Jahren fährt… Alle aufgemotzt mit gigantischen Scheinwerfern, Überrollbügeln und Spikereifen wie mittelalterliche Folterinstrumente.

Und was tut man, wenn man sich endlich einmal richtig ausgeschlafen hat? Einen richtigen Vorrat an Schlaf sich angelegt hat sozusagen? Man liegt dann also auf seinem oberen Bett, das der Liebste einem netterweisen bei solchen Gelegenheiten überlässt, lässt sich schaukeln und liest die halbe Nacht über das Leben der Gesine Cresspahl, das immer spannender wird. Wie kann die Turkuer Bibliothek auch so 1800 Seiten dicke Bücher auf deutsch anbieten, die einen nun schon seit Oktober nicht mehr loslassen (mit Zwangspause im Dezember, weil ich es so lange nicht ausleihen durfte)?! Und so ist man in Ylivieska immer noch wach und in Kokkola immer noch und… aber heute ist ja erst Sonntag! :-)

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