You are currently browsing the category archive for the 'Urheiluhullu' category.
„Ich will ein richtiges Fahrrad“, sprach das Mäusemädchen letzte Woche auf dem Laufrad sitzend, „eins mit Steigbügeln, nein, Tretbügeln.“ :-) Soll sie haben. Bald.
„Ich will auch Fahrradfahren!“, sprach ich zum Ähämann. „Und zwar jeden Tag. Und zwar so, dass du die Kinder in den Kindergarten bringen kannst und ich sie abholen kann. Dieses Busgefahre hängt mir nämlich zum Hals raus.“ Also gibt es im Hause F. seit neuestem einen Fahrradanhänger, obwohl ich nie, nie, nie einen haben wollte. Und obwohl es sich so anfühlt, als führe man die ganze Zeit mit angezogener Bremse, bin ich sehr glücklich. Dieses Busgefahre hing mir nämlich wirklich sehr zum Hals raus.
(Fragt bitte nicht, wie man in Finnland so einen Fahrradanhänger erwirbt. Oh, wollt ihr doch wissen? Naja, dann… Also, im ersten Fahrradgeschäft wurde uns ein Modell – nicht schlecht, aber definitiv nicht in Frage kommend – vorgeführt, während ein zweites unerwähnt daneben stand. „Das?“, sagte der Fahrradhändler auf Nachfrage. „Das ist Mist.“ Ahja! Im zweiten Fahrradladen gab es genau ein Modell mit der sagenhaften Gewichtsbegrenzung von 20 kg. (Wir sprechen von einem Anhänger für zwei (!) Kinder!) „Habt ihr auch noch ein anderes Modell?“ „Nein. Letztes Jahr hatten wir ein anderes.“ Daraufhin beschlossen wir, den Anhänger dann auch von einem Onlinehändler zu beziehen.)
„Jetzt braucht mein Fahrrad aber wirklich endlich mal eine Generalüberholung!“, sprach der Ähämann, der mit seiner kaputten Schaltung und dem schweren Anhänger dran jetzt öfter mal am Berg steckenbleibt, zu mir. Meins auch, aber ich warte erstmal ab, wie des Ähämanns Fahrrad nach der Reparatur heute aussieht. Vielleicht lohnt es sich ja doch, die Fahrräder aufs Auto zu laden und zum Lieblingsfahrradhändler nach Jena zu bringen… *seufz*
Dem Mäusemädchen einen Herzenswunsch erfüllen und ihr endlich die nötige Ausrüstung fürs Sähly kaufen.
Dass der Ähämann und ich von der Ausübung dieser Sportart keine Ahnung haben, macht genau gar nichts – das Mäusemädchen hat in den letzten zwei Jahren die grossen Jungs auf dem Hockeyfeld vor dem Haus so genau beobachtet, dass sie sofort perfekt losgelegt hat. Und als vollwertiges Mitglied der finnischen Kindergesellschaft ist sie jetzt auch akzeptiert. Der Nachbarsjunge, der immerhin schon in die Vorschule geht und das Mäusemädchen bislang noch als Baby angesehen hat, fing sofort an mit ihr zu spielen. :-)
[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI]
Da der finnische Sommer bekanntlich kurz ist und das Mäusekleinkind das „Baby“schwimmen, das erst Ende August weitergeht, ganz arg vermisst, waren wir am Wochenende gleich zweimal im Freibad.
In Turku gibt es einen See, mehrere Strände und zwei Freibäder. Am liebsten gehen wir ins „Schwimmstadion“, denn dort gibt es auch, wonach das Mäusekleinkind genauso süchtig ist wie nach Wasser: eine Sauna! Ausserdem ein sehr grosses Planschbecken (in dem wir auch prompt die Hälfte unserer Babyschwimmkollegen wiedertrafen), ein 50m-Schwimmbecken mit beheiztem (!) Wasser und den obligatorischen abgeteilten Bahnen zum Planschen, für langsame, mittelschnelle und schnelle Schwimmer, einen 10m-Sprungturm, richtige Umkleideräume mit Spinden und Duschen, Duschen mit warmem (!) Wasser neben dem Schwimmbecken – und eine riesige Liegewiese mit Ausblick, weil das Bad auf einem der Hügel Turkus liegt.
Schwimmhalle unter freiem Himmel, sozusagen.
Uns wundert allerdings schon nichts mehr in diesem Land voller Sportbesessener…
Die Sonne scheint, die Krokusse blühen, die Möwen schreien, und Mama macht dem Mäusekleinkind (und sich!) eine Freude und steigt hochschwanger nach einem halben Jahr endlich wieder aufs Fahrrad.
Geht prima! :-)
Der Bauch ist ein bisschen im Weg (ich fahre ja zu allem Überfluss auch noch ein Herrenrad), fühlt sich aber viel weniger gequetscht an als in der Frühschwangerschaft, als ich eben deswegen das Radfahren ganz schnell aufgab. Und anders als beim Laufen bekomme ich weder Rückenschmerzen noch einen ständig Wehen übenden, ziehenden Bauch, wenn ich mich schneller als mit Schneckentempo voranbewege.
Hach, ist das toll! Hoffentlich bleibt das Wetter so schön!
Gestern war ich mit Anja in der Schwimmhalle. Nicht in der kleinen bei der Uni, sondern in Impivaara. Da, wo wir immer zum Babyschwimmen hingehen. Nur geht es dort Samstagfrüh regelrecht ruhig zu, auch wenn da ausser den Babys und ihren Eltern und manchmal Geschwistern auch immer irgendwelche Jugendlichen oder Erwachsenen da sind, die im grossen Schwimmbecken trainieren. Aber gestern ging’s da zu wie im Bienenstock!
Im Kinderbecken planschten in der einen Hälfte Kinder mit ihren Eltern, in der anderen Hälfte fand ein Kinderschwimmkurs statt. Im Sprungbecken und auf den entsprechenden Sprungbrettern und Türmen herrschte reger Betrieb, bis im Sprungbecken ein Wassergymnastik-Kurs anfing. Im grossen Schwimmbecken waren Bahnen abgeteilt: die erste zum Planschen, die nächsten drei zum ernsthaften Schwimmen – jeweils für langsame, mittlere und schnelle Schwimmer (wir fanden uns auf der mittleren Bahn ganz gut eingeordnet *grins*) – die restlichen vier für mindestens zwei verschiedene Trainingsgruppen. Oben auf der Tribüne wärmte sich eine Trainingsgruppe auf, daneben strampelten jede Menge Leute auf verschiedenen Fitnessgeräten, unten wurde eine Kindergruppe im Gänsemarsch zu den Duschen geführt.
Dass man trotzdem nicht das Gefühl hatte, in einem total überfüllten Schwimmbad zu sein, lag vermutlich daran, dass die Schwimmhalle wirklich riesig ist (nicht nur die eigentliche Schwimmhalle – es gibt auch bestimmt 200 Spinde und 40 Duschen und zwei grosse Saunen), auch daran, dass die Finnen ja generell eher ruhig sind und sich somit der Lärmpegel in Grenzen hielt, und vor allem an dem genialen System mit den abgeteilten Schwimmbahnen. Bisher habe ich das ja immer ein bisschen belächelt – müssen die Finnen eigentlich jeglichen Sport so furchtbar ernst nehmen?! – aber es funktioniert wirklich prima.
Das Mäusekleinkind hat sich mittlerweile auch zu einer richtigen Wasserratte entwickelt. Grössten Spass hat sie neuerdings dabei, von der Rutsche oder so einem an den Beckenrand gehängten Sitz ins Wasser zu springen. Die Kreisspiele findet sie eher langweilig und nur erträglich, wenn sie während der Singerei einen Ball oder ein anderes Wasserspielzeug untersuchen darf. Aber sobald sie das erste Mal springen durfte, ist klar, womit der Rest der halben Stunde Babyschwimmen verbracht zu werden hat.
(Darf ich auch nochmal eben betonen, wie toll ich das System finde, nachdem hier Babyschwimmen angeboten wird? Man macht nämlich keinen Babyschwimmkurs, sondern man fängt irgendwann – vorzugsweise wenn das Baby zwischen fünf und zehn Monaten alt ist – damit an, und wenn es dem Kind und den Eltern Spass macht, dann kann man das einfach fortsetzen, bis das Kind vier ist und anfangen kann, richtig schwimmen zu lernen. Die Schwimmkurse finden Samstag- oder Sonntagfrüh statt, die kleinsten Babys zuerst, damit sie das sauberste Wasser haben – das wird nämlich an Babyschwimmtagen täglich gewechselt – die jeweils grösseren dann später. Am Anfang war es schon hart, samstagfrüh um acht in der Schwimmhalle antanzen zu müssen – aber irgendwie war das sowieso des Mäusemädchens Rhythmus damals, und mittlerweile brauchen wir erst um neun dazusein. Am Wochenende deshalb, damit die ganze Familie teilnehmen kann, auch der ja meist arbeitende Vater, und auch, damit es weiterhin möglich ist, auch wenn die Mütter wieder arbeiten und die Kinder in den Kindergarten oder zur Tagesmutter gehen. Schön finde ich auch, dass man nicht für einen ganzen Kurs bezahlt, sondern für jeden einzelnen Besuch. Letztes Frühjahr hab’ ich mich schon richtig geschämt, als ich Woche für Woche anrufen musste: ”Entschuldigung, wir können heute wieder nicht kommen, Anniina ist immer noch / schon wieder krank.” Aber wenn man bescheid sagt, verliert man auch seinen Platz nicht, und man muss eben auch nicht bezahlen, wenn man nicht kommt. Übrigens habe ich gestern rausgefunden, dass man trotz des Extrawasserwechselns und der Menge Spielzeug und zwei Schwimm”lehrern” für das Babyschwimmen genau kein bisschen mehr bezahlt als für eine ganz normale Familienkarte in der Schwimmhalle. Nur, weil letztens jemand meinte, unter den Bedingungen müsse unser Babyschwimmkurs (der er ja nicht ist *grins*) ja furchtbar teuer sein…)
Das Kind ins Bett bringen, den Vater aufpassen lassen, und im Abendsonnenschein noch eine halbe Stunde rullern gehen. :-) Wurde auch Zeit, nach über einem Jahr!!!

was’n das für einer???
Ich war heut’ zum ersten Mal in Turku auf der Loipe (während der Liebste zu Hause sass und an seiner Doktorarbeit tippselte, die nun bald Abgabetermin hat – jetzt gerade sitzt er mit dem für finnisches Küchenmobiliar obligatorischen Schneidbrett, das über der Besteckschublade in den Schrank integriert ist, aber daraus auch entfernt werden kann, also mit dem ziemlich grossen Schneidbrett auf den Knien und dem Laptop drauf auf dem Sofa, damit ich den Schreibtisch benutzen kann) und hab’ auch gleich die neuen Stöcke ausgeführt. ;-) Fast von der Haustür aus kann man da fahren, und ist gleich im Wald. Ab und zu stehen mitten im Wald auch noch ein paar Hochhäuser, immer so zwei/drei Stück, das sind dann Turkus „Vororte“. Tagelang kann man auf den Loipen fahren, auch nächtelang, wenn man will, denn sie sind fast alle beleuchtet. Und bestens ausgeschildert. An jedem Abzweig gibt es Wegweiser mit Entfernungsangaben. Man muss nie eine Strasse überqueren – wenn es keine Brücke gibt, gibt es eine Unterführung, in die eine mindestens 30 cm hohe Schicht aus anderswo weggeräumtem, in die Unterführung gekipptem und planiertem Schnee gelegt wurde.
Die Bäume waren dick beschneit, und ganz entgegen der Vorhersage schien den ganzen Tag die Sonne. Nur die Schneebedingungen sind doch nicht so ganz mit denen in Lappland zu vergleichen. :-( Eigentlich hatte ich vor, die Runde um den Flughafen zu fahren – sie war auch schon mit einer Pistenraupe planiert worden, aber trotz allem so buckelig und mit so vielen durch den Schnee guckenden Ästen und Steinen, dass ich dieses Ziel vorerst – in der Hoffnung auf kommenden Schnee – verschoben habe.
Dass ich immer die Langsamste auf der Loipe bin, inklusive Kindern und Rentnern, daran habe ich mich in Finnland auch schon gewöhnt. Meine Herren, man könnte den Eindruck gewinnen, keiner von denen stände zum Spass auf Skiern, sondern sie trainierten alle für die Weltmeisterschaft!
(4) Schwimmen in Turkus kleinster Schwimmhalle
Sie ist so klein, dass sie immer nur abwechselnd einen Tag für Männer und einen Tag für Frauen geöffnet hat. Dafür liegt sie gleich neben der Uni und direkt an meinem Heimweg.
Am Eingang bekommt man einen altmodischen Schlüssel am Gummiband ausgehändigt. Damit steigt man hinunter in Umkleideraum, Dusche und Sauna, danach wieder hinauf zum Schwimmbecken. 25 m durch grünes Wasser, auf altmodische Werbung für Silja-Line und die Turun Alueen Säästöpankki zu, 25 m zurück mit Blick auf Werbung für Sportsalbe und Friseur Pettersson. Voll ist es nie, ausser wenn Wassergymnastik oder, ganz neu seit diesem Jahr, Wasserjogging angeboten werden, mehrmals am Tag übrigens, ohne Aufpreis. Aber ich versuche diese Zeiten immer möglichst zu meiden. Ich habe inzwischen eine gut ausgeprägte „Viele-Menschen-Phobie“ entwickelt, wobei sich der Begriff „viele Menschen“ mittlerweile auf eine sehr viel geringere Menge bezieht als noch vor einem Jahr. Von der 18-jährigen Studentin bis zur 70-jährigen Oma sind alle Altersklassen vertreten. Es scheint aber ein ausgeprägtes Stammpublikum zu geben. Mutter und Tochter, die fast jeden Tag da sind und andauernd zwischen Schwimmbecken und Sauna hin und her wechseln. Die beiden Elefantenzwillinge, die, nackt, aber mit weissen Bademützen, synchron sowas wie Schmetterling in Rückenlage schwimmen. Ältere Frauen, die sich alle zu kennen scheinen, die ich aber noch nicht ganz auseinanderhalten kann.
Ich liebe es, vor und nach dem Schwimmen in der Sauna zu sitzen, in der sich so lebhaft unterhalten wird wie sonst an kaum einem anderen Ort in Finnland. Manchmal konzentriere ich mich auf die Gespräche. Meist erzählen sie sich Familiengeschichten. Wie Weihnachten war, wann die Enkel das nächste Mal kommen. Gemecker und unzufriedenes Genöle habe ich noch nie gehört. Manchmal lasse ich die Worte nur um mich herumfliegen und fühle mich in ihrem Klang zu Hause. Das ist der Vorteil der Fremdsprache, noch kann ich selbst entscheiden, ob ich verstehen will, was geredet wird, oder eben nicht. Manchmal fange ich an, mir die Unterschiede zu einer öffentlichen Sauna in Deutschland aufzuzählen: Was würde ein Deutscher wohl sagen, wenn da doch gar keine Sanduhr zum Umdrehen an der Wand hängt? Wo es doch gar kein Becken mit kaltem Wasser draussen gibt, und schon gar keine „Wellness-Liege“? Und wo jeder Wasser auf den Ofen kippen darf, wie er lustig ist? Ich habe inzwischen einen gewissen furchtsamen Respekt vor alten Frauen entwickelt – mit gekonntem Schwung, wie nur sie es können, fliegt eine Kelle Wasser auf den Ofen und löst sich zischend in Dampf auf… und noch eine… drei… vier.. fünf… jetzt reicht’s aber langsam, denke ich, während sich heisser Dampf auf mir niederschlägt und in der Nase brennt… sechs… sieben… will die uns alle verbrühen… acht… endlich, jetzt geht sie und lässt sich wohlig seufzend auf der obersten Saunabank nieder und fängt sofort ein Gespräch mit ihrer Nachbarin an.
Eine Zeitbegrenzung gibt es nicht. Welcher Finne würde sich auch schon in der Sauna hetzen lassen?! Jeder schwimmt und sauniert so lange wie er will. Ich schwimme besonders lange, wenn ich auf irgendwas wütend bin. Nebenher denke ich mir die Texte für meine Weblog-Einträge aus. Sollte sich irgendwann herausstellen, dass das auch für wissenschaftliche Texte hilft, werde ich die Hälfte meines Arbeitstages von da an in der Schwimmhalle verbringen.






