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Weil der junge Mann gestern an der Supermarktkasse die frisch erstandenen Stiefelchen fürs Mäusemächen in aller Ruhe in eine Obsttüte verpackte, mit einer Serie von Knoten die Obsttüte in einen kindgerechten Tragebeutel verwandelte, den er lächelnd dem Mäusemädchen überreichte, dann nach einer zweiten Obsttüte griff, in diese die gleichen Knoten machte und ihn mit den Worten: „Du willst doch bestimmt auch sowas!“ dem Mäuseknäbchen reichte, während die Leute vor uns im Zusammenpacken innehielten und die Leute hinter uns ein wenig an ihren Sachen auf dem Fliessband rückten und alle dabei lächelten…
… auch deshalb geh’ ich hier nie mehr weg! :-)
(Beitrag Nr. 139 zum Thema finnische Gelassenheit und Kinderfreundlichkeit.)
… wieso in einem Land, in dem es ein Drittel des Jahres quasi ganztägig finster ist, sich jeder ab Oktober mit Reflektoren behängt und sogar Hunde selbstleuchtende Halsbänder tragen, Fahrräder nur Vorderlichter haben. Rücklichter sind nicht vorgeschrieben, hat keiner, basta.
Versteh’ ich wirklich nicht.
(Der Pe-u-ge-ot, der hinten sogar ein nabendynamobetriebenes Standlicht hat, wird regelmässig angestarrt wie vom Mars…)
Heute das erste Auto mit Spikereifen über die Strasse klackern hören.
oder: Was passiert, wenn man sonntags in Finnland Kaffeetrinken gehen möchte
Die Finnen sind Europa-, wenn nicht gar Weltmeister im Kaffeetrinken. Ein Kaffee früh nach dem Aufstehen, ein Kaffee bei Ankunft auf Arbeit, ein Kaffee nach dem Mittagessen, ein Kaffee zur Kaffeepause, ein Kaffee beim Nachhausekommen und eventuell auch noch ein Kaffee abends.
Cafés sind in Finnland gut besucht – unter der Woche! Das Wochenende, das verbringt der Finne dann entweder kaffeetrinkend zu Hause oder kaffeetrinkend im Mökki – aber sonntags einen Ausflug, der mit Kaffeetrinken verbunden ist, den macht er nicht. Deswegen sind auch am Wochenende die meisten Cafés geschlossen. Oder weil die meisten Cafés am Wochenende geschlossen sind, macht der Finne keine Kaffeeausflüge. Weiss ja keiner, ob nun die Henne oder das Ei zuerst da waren…
Nuja. Wir wollten am Sonntag wegen des schönen Wetters eigentlich einen Fahrradausflug machen, möglichst mit Kaffeetrinken irgendwo, wo man naturnah draussen sitzen kann, verbunden. Eine kurze Recherche im Internet ergab, dass das erste Café unserer Wahl schon Winterpause macht, das zweite Café unserer Wahl schon seit einer halben Stunde zu hat. Die Alternative dazu wäre Kaffeetrinken im eigenen Garten gewesen; allerdings mangelte es uns dazu an Kuchen. Den würden wir uns allerdings wohl in der Stadt besorgen können, immerhin war am Sonntag „Turkutag“ und alle Geschäfte geöffnet, also bestimmt auch die eine oder andere Konditorei.
Dachten wir. Der „Aurinkoinen“ in der Hämeentie – geschlossen. (Auf der Weiterfahrt überholte uns die 62 – so ein roter, schon recht alter, eckiger Sportwagen, der mich an die Autos auf den Karussels meiner Kindheit erinnerte.) Der „Aurinkoinen“ in der Aurakatu – geschlossen. Der „Aschan“ neben dem Wiklund – geschlossen. Na, der „Aschan“ im grössten Einkaufszentrum der Innenstadt wird ja wohl aufhaben – nein, auch geschlossen. Im „Café Brahe“ im gleichen Einkaufszentrum, als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten, konnten wir dann drei riesige Stücke Kuchen erstehen. (Auf der Rückfahrt holten wir noch eine 62 ein – einen hellgrünen Pontiac.)
Immerhin war die Sonne fast noch nicht hinter dem Wald verschwunden, als wir uns endlich zu Kaffee und Kuchen im Garten niederliessen…
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Gestern den ersten Liter Sonata gekauft.
(Das und das Wetter machen es gerade nicht leicht, am Freitag wegzufahren.)
Heute die vermutlich einzigen gewesen, die den Supermarkt ohne Grillwürstchen und Bier wieder verlassen haben.
Erst fiel mir gar nichts Besonderes auf. Es gibt hier eben überall Spielplätze, auf jedem Innenhof, in jedem Einkaufszentrum, in jedem Park. Zusätzlich umzäunte, richtig gut ausgestatte Spielplätze, auf denen vormittags Parktanten auf die Kinder aufpassen. (Gegen Voranmeldung und geringes Entgelt kann man seine Anderthalb- bis Sechsjährigen da lassen. Man kann auch gemeinsam mit seinen Kindern da hin gehen und von dem vielen Spielzeug, das die Parktanten in ihren Häuschen haben, profitieren. Und von der Gesellschaft der ganzen anderen Kinder, natürlich.) Und überall sind Kinder. Kleine, grosse, mit Müttern, mit Vätern, mit Grosseltern, mit Tagesmüttern, alleine.
Als das erste Mäusekind ins Spielplatzalter kam, verbrachten wir viele, viele Abende auf dem Spielplatz vorm Haus. Oder auf dem „grossen Spielplatz“, dem mit der Parktante, der nur 200 m weiter weg ist. Im Sommer fuhren wir immer gleich vom Kindergarten aus nach Kupittaa, wo es einen grossen Park mit Spielplätzen für kleine und grosse Kinder gibt. Ich fühlte mich überall gleich wohl – wenn nur das Mäusemädchen beschäftigt und zufrieden war – und schüttelte insgeheim verwundert den Kopf über „Wir waren heute wieder auf dem Spielplatz des Grauens“-Blogeinträge aus Deutschland. Gehört es zum guten Ton unter deutschen Müttern, Spielplätze doof zu finden und ausschliesslich mit seinen Kindern im Wald zu spielen?!
Ein erstes Licht ging mir auf, als ich mit dem Mäusemädchen das erste von zwei Malen in der deutschen Spielgruppe war. (Länger habe ich es dort nicht ausgehalten. Alle Mütter, die ich aus der Spielgruppe persönlich kenne, sind nett, aber diese geballte Deutschheit, das halte ich nicht aus.) Das Mäusemädchen, damals knapp anderthalb, aber immer noch nicht laufen könnend, wurde als erstes von einem Kinderstuhl geschubst, den es gerade stolz erklettert hatte, und als nächstes rüde von einer Matratze gerollt, die zwei Jungs für sich beanspruchten. Die Mütter sassen derweil tratschend und sich vor allem über diverse Missstände in Finnland beschwerend im Nebenzimmer, keiner hatte irgendwas bemerkt, keiner erklärte seinem Kind, dass es so nicht geht, keiner entschuldigte sich beim Mäusemädchen. Das Mäusemädchen und ich waren einfach nur verblüfft. Entsetzt. Und mir ging endlich ein Licht auf.
So geht es auf finnischen Spielplätzen nicht zu.
Unsere Mäusekinder werden so gut wie immer rücksichtsvoll behandelt. Oft, wenn das Mäusemädchen gucken geht, wie die grossen Jungs Hockey oder Basketball spielen, habe ich schon gehört, wie einer zum anderen sagt: „Pass auf, hinter dir steht das Mäusemädchen!“ Letzten Sommer tobte einmal eine grosse Wasserpistolenmaschinengewehrschlacht in unserem Hof, das Mäusemädchen und ich mit dem Mäuseknäbchen im Tragetuch mittendrin. Kein Tropfen hat uns getroffen, und als das Mäusemädchen neugierig seine Hand in den Eimer zum Nachladen streckte, wurde es auch dort geduldet, belächelt und vorsichtig behandelt. Letzte Woche, als das Wetter gar zu fürchterlich war und wir den ganzen Tag drin verbracht hatten, fuhren wir abends noch in ein grosses Einkaufszentrum, wo es immer irgendwelche Spielgeräte zur freien Verfügung gibt. Diesmal stand da eine Rutsche. Die Mäusekinder rannten los wie von der Leine gelassene Hunde. Auch das Mäuseknäbchen. Als er anfing, die Treppe zur Rutsche zu erklimmen, stellten sich die anderen Kinder geduldig hinter ihm an. Erst als ich ihnen sagte, sie könnten ihn ruhig überholen, stiegen sie vorsichtig an ihm vorbei.
Das ist nämlich die andere Seite. Wenn ich mir Rücksicht für meine kleinen Kinder wünsche, dann muss ich dem Mäusemädchen auch erklären, dass es die grossen Jungs beim Hockeyspielen stört, wenn es mitten auf dem Spielfeld steht, und dass es besser vom Rand aus zuguckt. Oder dem Mäuseknäbchen, dass man nicht einfach die von anderen gebackenen Sandkuchen kaputthaut. Und genau das kann man täglich auf Spielplätzen beobachten, wie kleinen Kindern erklärt wird, wie man nett miteinander umgeht. Und so kommt es dann, dass ich immer wieder völlig hin und weg bin, wenn zum Beispiel der grosse, kräftige 16-jährige Kerl aus dem Nachbarhaus dem Mäusemädchen seinen winzigen Puppenwagen hinterherschiebt, der dem Mäusemädchen über dem Betrachten eines Hundes fortgerollt ist. Oder wenn wir den Spielplatz vorm Haus fluchtartig verlassen, weil das Mäusemädchen auf Toilette muss oder das Mäuseknäbchen ganz plötzlich ganz dringend was essen, und wenn wir dann eine halbe oder eine Stunde später wieder rauskommen, unser Sandspielzeug fein säuberlich in das Sandwägelchen gepackt ist und das Sandwägelchen vor unserer Tür steht, und die Erstklässlerin von gegenüber auf Nachfrage bestätigt, dass sie es war, die für uns aufgeräumt hat, weil „Ich dachte, ihr kommt nicht nochmal raus.“
Und dann wären da noch die Mütter auf dem Spielplatz. Das heisst, die meisten Kinder sind eigentlich alleine auf dem Spielplatz, vor allem auf solchen vor Häusern. Auf dem Spielplatz vor unserem Haus spielen auch schon kleine Dreijährige allein, auch das Mäusemädchen. Wenn aber Mütter dabei sind, dann sitzen die selten tratschend am Rand. Vermutlich deshalb, da der Finne an sich ja nicht so gern redet. ;-) Dafür haben sie immer mindestens ein Auge auf ihre Kinder, und oft noch eins für andere Kinder mit. Letztens liess ich das Mäuseknäbchen kurz allein im Sandkasten vor dem Haus, um was aus der Wohnung zu holen. Als ich das Mäuseknäbchen erschrocken weinen hörte und mich umwendete, um zurück zu ihm zu eilen, hatte schon eine Mutter ihr eigenes Kind in der Babyschaukel zurückgelassen und war auf dem Weg, das Mäuseknäbchen aufzuheben und zu trösten, das beim Rausklettern aus dem Sandkasten mit dem Gesicht im Sand gelandet war. (Ähnlich erging es uns letztens in der Bibliothek. Wenn wir in die Bibliothek gehen, steigt das Mäusemädchen allein die Treppe hoch – es ist ja schon gross! – während ich mit dem Mäuseknäbchen im Wagen die Rampe benutzen muss, die seitlich am Gebäude entlang führt. Oben wartet das Mäusemädchen, und wenn wir die Bibliothek wieder verlassen, dann steigt sie allein die Treppe wieder runter und wartet unten. Allerdings ist dort unten eine vielbefahrene Strasse, und letztens blieb eine zufällige Passantin so lange neben dem vermeintlich allein unterwegs seienden Mäusemädchen, bis sie mich entdeckt hatte und ich neben dem Mäusemädchen angekommen war, dass sie sicher sein konnte, dass es auch ganz bestimmt nicht allein auf die Strasse rennen würde.)
Vielleicht ist das ja alles ganz normal und keiner Erwähnung wert. Ich kenn’s ja nicht anders. Aber ich gehe jedenfalls gern auf den Spielplatz. :-)
… habe ich heute.
Sondern letzte Woche schon. Ist nämlich viel einfacher. Hier kann man bei jeder Wahl eine reichliche Woche lang „vorwählen“, und zwar überall in der Stadt. In jeder Postfiliale, in jeder Stadtteilbibliothek. Wo es einem am besten passt.
(Allerdings sind wir diesmal gar nicht erst gefragt worden, ob wir vielleicht doch lieber für Deutschland wählen wollen. Offensichtlich versteht sich das nach fünf Jahren von selbst.)





