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Die finnische Akademie hat befunden, dass der Forschungsantrag nicht gut genug war und es für unser Fuchsprojekt kein Geld gibt. Aus Gründen übrigens, die sie beim vorherigen Antrag bemängelt haben und die wir deshalb für diesen Antrag extra geändert haben.

Kann man auch gleich Lotto spielen.

(Ich bin nur mässig traurig. Noch so ein bisschen geschenkte Zeit für den kleinen Herrn Maus. Und für die anderen beiden ja auch.)

Hat wer was von Mutterschutz gesagt?!
Ich bin diese Woche in der Uni, Forschungsantrag schreiben helfen.

Gestern nacht in der Dämmerung habe ich Pikku-Poika gesehen. Nicht nur gehört. Wow! Dachse sind ja so gross! Und soooo hübsch!

Das hat man nun davon, wenn man nicht mehr mit Tieren forscht, die mehr oder weniger rund um die Uhr herumrennen, sondern mit Tieren, die nachtaktiv sind. Wenn man nicht nur wissen will, wo die den Tag so verschlafen, muss man selbst nachts raus.

Solange wir noch auf Geld für das Fuchsprojekt warten, helfe ich ja hauptsächlich der Doktorandin, die nicht nur Füchse, sondern auch Dachse, Marderhunde und Katzen im Stadtgebiet erforscht. Und so laufe ich jetzt ein paar Nächte Abende die Woche mit Antenne hinter Dachsen her.

Ich hasse es: abends nochmal loszugehen. Das kostet so viel Überwindung. Erst recht, wenn man vorher noch selbst die Kinder ins Bett gebracht hat. Und sich dann warm anziehen muss und raus in die Nacht. Brrr.

Nur: wenn ich dann einmal draussen bin, dann ist es toll!

Vor allem jetzt, wenn es eine ganze Stunde nach Sonnenuntergang noch leidlich hell ist und dann der Mond scheint. Und gestern, als ich auf der grossen Insel aus dem Auto ausstieg, wurde ich von einem Chor Vögel empfangen, der furchtbar laut und wunderschön sein Abendlied sang, und später sah ich zwei Rehe, eine Fledermaus, nur meinen Dachs nicht. Den hörte ich nur. Erst durchs alte Laub rascheln, und dann nur noch das Piepen seines Halsbandsenders auf meinem Empfänger. Und schnell war der! Ich hatte mir vorgestellt, der würde so ein bisschen herumstreifen, hier mal gucken und da was essen, aber der hatte es eilig, als ob er ein festes Ziel hätte! Da hat es dann richtig Spass gemacht, ihn zu verfolgen. Am Ende ist er mir davongerannt. Solange ich das Gebiet nicht wirklich gut kenne und solange es noch stockfinster wird nachts, muss ich mich an Wege und Pfade halten, um nicht plötzlich vor einer Felswand oder einem Moor festzustecken, und auch, um genau zu wissen, wo auf der Karte ich mich befinde. Denn wenn ich dem Dachs hinterherrenne, aber seinen Weg nicht auf der Karte festhalten kann, dann haben wir auch nichts davon.

Schön ist auch, sich hinterher ins Auto zu setzen, die Musik ganz laut zu drehen, das Fernlicht anzuschalten und über autoleere Strassen heimzufahren. (Dass in der Stadt dann immer noch 35 Ampeln an sind und alle rot, weil sowas wie Grüne Welle in Finnland unbekannt ist, davon reden wir jetzt mal nicht.)
Das ist noch genauso schön wie vor zehn Jahren im blauen Lada nach dem abendlichen Fallenkontrollieren in den Mäusegehegen in Konnevesi.

Heute das kränkelnde Kind, das nicht in den Kindergarten gehen konnte, aber ein bisschen frische Luft gebrauchen konnte, kurzerhand mitgenommen auf die Fallenrunde. (Und zum Dank dafür, dass er mir die Spikes für die Schuhe am Vortrag irgendwohin unauffindbar verkramt hat, durfte er vorher noch in so einen über alles geliebten Auto-Einkaufswagen im PRISMA und mit mir neue kaufen.) Er fand’s sehr toll: „Mäuseknäbchen Kiepe fahr’n! Da! Bögel! Da! Bäume! Berg runter geh’n! Weitergeh’n, Mama!“

Danach Mittagessen mit Papa.

Danach zweieinhalb Stunden Mittagsschlaf für Mäuseknäbchen und Mama.

Alle gut erholt und auf dem Weg der Besserung.

Wenn die Sonne scheint, gehe ich immer einen Rundweg, nicht nur auf kürzestem Weg zu den Fallen und zurück.

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… in der Falle, aber jede Menge neugierige Eichhörnchen dort.

:-)

Ich bin sozusagen im Gebirge aufgewachsen, wenn auch in einem nicht sonderlich hohen. Mit zwei Jahren war ich das erste Mal im Hochgebirge. Mit vier bestieg ich meinen ersten richtigen Berg, mit Klettern und so und mit nur wenig Hilfe von Papas Schultern.

Mit acht war ich das erste Mal am Meer. Mit zwanzig bin ich zum ersten Mal gepaddelt. Mit dreiundzwanzig sass ich zum ersten Mal in einem Motorboot.

Gestern war ich zum ersten Mal Fuchsfallen kontrollieren. Die Doktorandin, die das bisher allein machen musste, hatte mir schon am Montag erklärt, dass einige der Fallen in wirklich schwierigem Gelände stehen würden. An einem Berg nämlich. Seeehr steil. Seeehr rutschig im Moment. Gestern, als wir alle Fallen gemeinsam abliefen, gab sie mir noch mal jede Menge Tipps: „Und nimm immer dein Telefon mit, falls du doch böse hinfällst. Und hier trittst du am besten immer wieder in die gleichen Fussstapfen, damit du nicht wegrutschst. Und den Bäumen hier kannst du nicht unbedingt trauen, die sind manchmal auch abgestorben und brechen ab, wenn du dich daran festhalten willst.“
Es war dann – naja, ein Hang mit Felsbrocken halt. (Und rutschigem Schnee drauf im Moment.) Man muss ein bisschen aufpassen, aber sehr schwierig oder gefährlich erschien mir das Gelände nicht.

Bevor ich das erste Mal mit dem Boot zu meinen Mäuseinseln gefahren bin, da hat mir keiner irgendwelche Tipps gegeben.

Eigentlich hatte ich ja die Schnauze voll von Wissenschaft und Uni und so. Eigentlich wollte ich ja zur Abwechslung gern mal was “Richtiges” machen. Deswegen bin ich ja im Moment eigentlich auch arbeitslos. Das heisst, eigentlich mache ich ja einen Kurs. Also, eigentlich mache ich ja gerade am Biologischen Museum ein Praktikum, das zu diesem Kurs gehört.

“Was hast du dir denn so vorgestellt?”, fragt mich Pekka, als ich zum Vorstellungsgespräch ins Museum komme, und redet gleich weiter: “Ich dachte ja, du könntest irgendein selbstständiges Forschungsprojekt machen, irgendwas im Stadtgebiet, was dir einfällt.” Mir fallen spontan die finnischen Igel ein, die bei Gefahr wegrennen, statt sich einzurollen. Oder die Flughörnchen, die es hier überall gibt. Oder diese überall hinscheissenden Hunde. “Frag doch mal den Timo aus der Uni, der hat ständig irgendwelche Projekte am laufen, der weiss bestimmt was für dich.”

Den Timo? Den frag ich gern! (Eigentlich wollte ich den schon seit ungefähr einem Jahr fragen, ob ich nicht mit ihm irgendwas planen könnte. Der macht eher so angewandte Sachen. Und der ist um Welten netter als mein etwas… äh… schwieriger Doktorvater. Aber irgendwie ist es ja auch ein bisschen komisch zu sagen: “Also der Erkki und ich, wir wollen beide auf keinen Fall mehr miteinander arbeiten. Aber kann ich vielleicht mit dir…?” Deswegen hab’ ich’s immer vor mir hergeschoben und dann doch nicht gefragt.)

Pekka fiel inzwischen auch noch was ein: “Weisst du, was du machen könntest? Du könntest die Kreuzottern im Stadtgebiet erforschen! Da weiss überhaupt niemand was drüber bisher, und wir könnten Leute befragen, und Schlangen kann man prima mit Mikrochips markieren und…”, schreibt er mir am nächsten Tag eine begeisterte email. Meine Begeisterung indes hält sich… in Grenzen. Kreuzottern?! Ich?! Mit meiner Schlangenphobie?! Also interessant ist das bestimmt, aber…

Von Timo kommt auch eine mail: “Kaarina und ich haben uns gerade ein Projekt ausgedacht mit Füchsen in der Stadt. Da kannst du auf jeden Fall mithelfen. Wir schreiben auch gerade einen Forschungsantrag, und wir haben gedacht, wir benennen dich als Postdoc für das Projekt. Wenn du willst. Lass uns doch mal in den nächsten Tagen darüber reden.” Das klingt toll! (Obwohl ich ja eigentlich nie wieder Wissenschaft und Uni und so…)

Wir treffen uns zwei Tage später, und bei diesem Treffen erfahre ich als erstes, dass der Antrag bis letzten Freitag eingereicht sein muss, also in acht Tagen. “Wärest du bereit, den Antrag zu schreiben?”, ist gleich die nächste Frage an mich. Zum Glück muss ich nicht ganz bei Null anfangen. Zum Glück bin ich nur die, die alles koordinieren muss, die, die als einzige in der Lage ist, Excel-Tabellen in Word-Dokumente einzufügen, und die am Ende sogar die Eingabefelder für die Budgetplanung auf den Seiten der Finnischen Akademie versteht.

Wir schicken den einen Antrag ab. Eigentlich will ich diese Woche wieder ins Museum gehen, mit Pekka einen Spurenlesekurs für Schulkinder, der in den Winterferien stattfinden soll, vorbereiten. Aber mit einem einzigen Antrag ist’s ja nicht getan. Am 15. Februar ist Deadline für Forschungsanträge bei einer weiteren Stiftung. “Da haben wir ja noch ein bisschen Zeit!”, sagen Kaarina und Timo. “Den muss ich ja dann auch diese Woche noch fertigmachen!”, seufze ich, denn der Antrag muss nicht nur online eingereicht, sondern auch ausgedruckt und unterschrieben mit der Post geschickt werden. Und da wir ab Samstag und bis nach dem 15. im “Blauen Mökki weilen werden, in dem es zwar theoretisch möglich ist, das Internet zu benutzen, aber unmöglich, irgendwas auszudrucken, muss ich also bis zur Abfahrt alles fertig haben.

Seufzend sitze ich seit zwei Wochen am Computer und versuche Leute davon zu überzeugen, dass nichts interessanter ist als Stadtfüchse zu erforschen. (Mensch, denkt doch mal, wenn die Tollwut doch noch nach Finnland kommt! Und der Fuchsbandwurm! Und das Ganze dann in der Stadt!!!) Seufzend denke ich daran, dass ich mal gedacht habe, ich wolle nie wieder Wissenschaft und Uni und so. Seufzend denke ich, wie schön das eigentlich wäre. Seufzend denke ich, wie gering die Chancen sind, überhaupt Geld bewilligt zu bekommen, und selbst wenn, dass das frühestens in einem Jahr sein wird.

Ich richte dann mal eine neue Kategorie ein. Bleibt abzuwarten, ob die ganz klein bleibt, oder vielleicht doch ganz gross wird.

 

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