You are currently browsing the category archive for the 'Finnisierung' category.
Deutsche Werbetexte machen mich alle.
(Der Ähämann hat diesmal aus Deutschland so Sachen mitgebracht, die versprechen „ein cremig-schmelzendes Mundgefühl“. (Ich muss da immer an „Mundgeruch“ denken. Ziel leider komplett verfehlt, liebe Werbefritzen, sorry.) Oder sind aus „selbst aufgeschlagenen Eiern“ hergestellt. (Wie jetzt? Eier, die sich selbst aufschlagen?) Und neulich hat der Ähämann uns dafür eine Kabine „mit Meerblick“ gebucht. (Hiess das nicht früher mal schlicht „Aussenkabine“?!))
[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX]
Unterhalten sich zwei Deutsche, die schon eine Weile in Finnland leben:
- „Ich ruf’ gleich mal im terveyskeskus1) an und lass’ mir einen Termin geben.“
- „Nächsten Dienstag muss ich mit dem Mäusebaby in die neuvola2).“
- „Ich hab’ dir für morgen zum Frühstück einen munkki3) mitgebracht, und dem Mäusemädchen eine pulla4).“
- „Mäusemädchen, möchtest du Brot oder puuro5) zum Abendbrot?”
- „Ich hol’ dir gleich dein Laufrad aus dem varasto6)!“
- „Gibt’s den Käse auch nicht laktositon7) ?“
- „Das Foto hast du gemacht, als wir damals den ganzen Tag auf dem laituri8) neben der „Myllykoski“ in der Sonne gelegen haben…“
- „Wir waren heute am koski9) spazieren.“
1) Gesundheitszentrum, Poliklinik
2) Mütterberatungsstelle
3) Pfannkuchen, Berliner
4) Hefeteilchen
5) Getreidebrei, Grütze
6) Lager (in unserem Fall der Schuppen)
7) laktosefrei (Viele Milchprodukte gibt es wegen der hohen Anzahl an laktoseintoleranten Finnen häufig nur laktosereduziert oder ganz laktosefrei. Was für die betroffenen Personen toll ist, für gesunde Personen aber eher kontraproduktiv. Wenn ich „nach Europa“ fahre, habe ich immer erstmal zwei Tage Bauchschmerzen.)
8) Bootssteg
9) Stromschnelle
Und natürlich gehen die auch in die sauna. (Das einzige finnische Wort, das es sogar bis in den Duden geschafft hat und wohl keiner Übersetzung bedarf.)
[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII]
Dem Mäusemädchen einen Herzenswunsch erfüllen und ihr endlich die nötige Ausrüstung fürs Sähly kaufen.
Dass der Ähämann und ich von der Ausübung dieser Sportart keine Ahnung haben, macht genau gar nichts – das Mäusemädchen hat in den letzten zwei Jahren die grossen Jungs auf dem Hockeyfeld vor dem Haus so genau beobachtet, dass sie sofort perfekt losgelegt hat. Und als vollwertiges Mitglied der finnischen Kindergesellschaft ist sie jetzt auch akzeptiert. Der Nachbarsjunge, der immerhin schon in die Vorschule geht und das Mäusemädchen bislang noch als Baby angesehen hat, fing sofort an mit ihr zu spielen. :-)
[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI]
(Des Mäusebabys.)
Draussen schlafen.
(Von einem Tag auf den anderen ging es: im Kinderwagen einschlafen. Wohl, weil es so schön kalt geworden ist. Sobald der erste kalte Lufthauch Mäusebabys Nase erreicht, fängt er an, sich zu beruhigen. Noch fahre ich ihn herum, damit er nicht zu schnell wieder aufwacht, aber wenn ich ungefähr eine Stunde mit ihm gegangen bin, dann kann ich ihn auch wie ein richtiges finnisches Kind im Kinderwagen auf die Terrasse stellen, und er schläft weiter… manchmal nur 15 Minuten, manchmal eine reichliche Stunde. Und ich dachte schon, ich müsste das Kind in den Schlaf tragen, bis es tagsüber keinen Schlaf mehr braucht! ;-) )
((Ich mache ja ungern Werbung, aber angesichts des Schrotts der vielfältigen Produkte, die so auf dem Markt sind, muss ich mal wieder betonen, wie grossartig der Mäusevolvo ist und dass er fast von alleine durch Wald und Feld fährt.))
[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV]
Sonntags bei „Kotipizza“ mittagessen.
Die Finnen essen Pizza wie die Weltmeister. Zwar als Fastfood verpönt, gibt es Pizza an jeder Strassenecke. „Pizza, Kebab“ steht an den Fenstern der kleinen, meist von Ausländern betriebenen, , eher schmuddeligen Lokalitäten mit dem Charme von Bahnhofskneipen. (Die Pizza schmeckt im Allgemeinen, egal wo, recht gut; Kebab dagegen ist geschmackloses Fleisch.)
Ausserdem gibt es noch eine kotimainen Pizza-Kette, „Kotipizza“. Und letztens, als wir Sonntagfrüh am Hafen die Tickets für unsere „Kreuzfahrt“ gekauft hatten, zwei Kinder dringend ins Bett mussten, eins davon aber vorher noch Mittagessen bekommen musste und dem Ähämann und mir auch der Magen knurrte, wir also möglichst etwas „Schnelles“ brauchten, beschlossen wir, doch auch mal wie eine richtige finnische Familie sonntags zu „Kotipizza“ zu gehen. ;-)
Einen besonderen Grund gab es dafür auch noch. Erinnert sich noch jemand an den Skandal, den es gab, als Berlusconi sich 2005 so abfällig über das finnische Essen äusserte? Als es darum ging, sich zwischen Parma und Helsinki als Standort für die EU-Lebensmittelbehörde zu entscheiden, hatte Berlusconi in etwa folgendes gesagt: Helsinki wäre ja wohl kaum der geeignete Standort – die Finnen ässen nur mariniertes Rentier und wüssten noch nicht einmal, was Prosciutto sei; er wüsste, wovon er spräche, er hätte das finnische Essen schliesslich auch schon ertragen müssen.
Als nun aber drei Jahre später, auf der Internationalen Pizzamesse im März diesen Jahres in New York, ausgerechnet ein Finne mit seiner „finnischen“ Pizza aus Roggenmehl, Rentierhackfleisch und Pfifferlingen die Italienier auf Platz 2 und 3 verwies, war der Zeitpunkt für die finnische Rache gekommen. Die bis dahin namenlose Pizza wurde „Pizza Berlusconi“ getauft und mit Sprüchen wie „Berlusconi hat keine Eier“ oder „Rentnerin biss Berlusconi“ beworben.
Natürlich mussten wir die Rachepizza irgendwann auch mal probieren. Und wie es sich so trifft, leitet der preisgekrönte Pizzabäcker die „Kotipizza“-Filiale in der Turkuer Uudenmaankatu. Natürlich waren wir dort, wennschon, dennschon! Lecker war’s. :-)
[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV]









