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Schon vorgestern wagte die Wettervorhersage im Radio eine optimistische Aussage: „Freitagabend wird es zumindest nicht ununterbrochen regnen.“

Fein. Und weil die Wettervorhersagen fürs Länsi-Turunmaa und Kustavi auch viel besser aussehen als die für Turku, machen wir uns jetzt mal auf den Weg. Mit Auto zwar, aber mit dem Zelt für ein oder zwei Übernachtungen. Wird schon nicht ununterbrochen regnen. ;-)

Heute die vermutlich einzigen gewesen, die den Supermarkt ohne Grillwürstchen und Bier wieder verlassen haben.

Es war nicht so grün wie letztes Jahr oder vor fünf Jahren. Es war aber auch nicht so kahl und kalt wie die Jahre dazwischen. Das Grün ist auf dem besten Weg – die Birkenblätter sind schon über das Mausohrstadium hinaus, die Wiesen werden an sonnigen Stellen schon grün, und man kann gerade Krokussen, Narzissen, Blausternen, Weidenkätzchen, Tulpen, Huflattich, Buschwindröschen und den ersten Löwenzähnen beim gleichzeitigen Blühen zugucken. Wie es sich zu Vappu gehört.

Nur nach dem Trubel auf dem Observatoriumsberg war mir dieses Jahr so gar nicht. Hatte ich doch gestern schniefend und mit wehem Hals mehrere Stunden mit dem fiebernden Mäusebaby auf meinem Bauch im Halbschlaf auf dem Sofa verbracht. Den Ähämann und das Mäusemädchen hatte die flunssa nicht ganz so schlimm erwischt, aber dennoch nicht verschont.

Und so suchten wir uns heute einen ruhigen Platz am Meer fürs traditionelle Vappu-Picknick.

(Und jetzt hat es sich bitte ausgeflunssat! Nach Vappu ist nämlich der Winter endgültig vorbei!)

Weihnachtsfriedensverkündigung dieses Jahr im Fernsehen statt live. Nach Einnahme von Paracetamol und viel Cola in die Kirche zum Weihnachtsgottesdienst geschleppt. Weihnachtssauna ganz ausgefallen. Gleich nach den ebenfalls hustenden und schniefenden Kindern ins Bett gegangen.

Blöde flunssa!!!

Letztes Jahr, da hat das Mäusekleinkind vor allem die brennenden Kerzen bestaunt. Und beim Spazierengehen jeden Adventsstern („Danndele!“) und jedes beleuchtete Weihnachtsbäumchen („Bäumche!“) kommentiert. Einen Adventskalender hatte sie auch, aber an das Öffnen musste man sie immer erinnern.

Dieses Jahr, das ist ihre erste richtig eigene Adventszeit. Die gleich mit zwei Enttäuschungen anfing. Ich hatte ihr erklärt, wie das funktioniert mit dem Adventskalender. Aber als das erste Fensterchen offen war, hiess es: „Jetzt DAS noch aufmachen!“ „Nein, das machen wir morgen auf. Gleich, wenn du aufgestanden bist! Aber jetzt können wir noch den Adventskranz anzünden!“ (Unser Adventskalender von den Pfadfindern fängt ja immer entweder am 1. Dezember oder am 1. Advent an, je nachdem was eher ist.) Als ich nach einer Kerze das Streichholz ausblies, hub erneut Protestgeschrei an: „Jetzt die ANDEREN noch anmachen!“

Jetzt weiss sie bescheid. Jeden Morgen läuft das Mäusekleinkind zuerst in die Küche, stellt fest: „Der Schwibbogen ist schon an.“ (der hat eine Zeitschaltuhr), strahlt und schaltet den Adventsstern und das Lichterbäumchen im Garten an. Dann wird der Adventskalender aufgemacht, das Bild kommentiert und ausserdem nochmal bekräftigt: „Das lassen wir jetzt offen!“. Auch mit dem Prinzip des Adventskranzes hat sie sich angefreundet: „Jetzt sind da schon wei Kerzen an!“ „Ja, und am Sonntag zünden wir die nächste an!“

Und abends, wenn es dunkel wird (so gegen halb vier ;-) ), kommt die schönste Zeit des Tages. Dann wird gelichtelt. „Jetzt die Pyramide anmachen!“, fordert das Mäusekleinkind. „Und das Räuchermännchen! Guck mal, Mäusebaby, das raucht! Hat ne Pfeife!“. „Und Mama soll auch Musik anmachen!“

Und das Mäusebaby? Starrt ganz fasziniert die Kerzen an. Und die Rehe, die sich auf der Pyramide drehen.

Und ich? Ich freue mich sehr. Und nächstes Jahr, nächstes Jahr, da sind die Mäusekinder gross genug, da fahren wir den Mäuseopa und die Mäuseoma besuchen im Advent! Denn, in Arzgebirg is wahrlich schi, wenn’s draußen stürmt un schneit. Un wenn de Peremett siech dreht, is unner schennste Zeit. Ja! *seufz*

Weil heute Nikolaus Unabhängigkeitstag ist.

(Möhrenkuchen mit Finnische-Fahne-Zuckerguss.)

Immer, wenn Anfang November die erste Weihnachtsdekoration in Kaufhäusern auftaucht, ein Spielzeugkatalog nach dem anderen ins Haus flattert und in Blogs und Babyforen die Frage diskutiert wird, ob man denn auch einem Baby schon was zu Weihnachten schenken muss, muss ich an die Muumin-Weihnachtsgeschichte denken.

Eigentlich machen die Muumins ja Winterschlaf und wissen daher nichts von Weihnachten. Aber eines Jahres wird Muumin aus dem Schlaf geweckt, und alle, die wach sind, und die er trifft, hetzen vorbei. Muumin wundert sich. „Weihnachten kommt!“, rufen sie ihm zur Erklärung zu. Deshalb muss man einen Weihnachtsbaum schmücken, und backen, und Essen kochen, und putzen, und Geschenke besorgen. „Dieses Weihnachten ist bestimmt ein ganz besonders schreckliches Wesen, das man mit all diesen Dingen besänftigen muss.“, denkt Muumin und weckt voller Panik seine Familie. „Weihnachten kommt! Schnell, steht auf! Wir müssen…“

Tja, vor lauter Müssen und durch die Einkaufsstrassen schallenden modernen Weihnachtsliedern schon im November und der Jagd nach Geschenken und dem Anspruch,unsere Kinder trotz Spielzeugkatalogen zur Mässigkeit zur erziehen und der generalstabsmässigen Planung, die nötig ist, um den Besuchsmarathon über die Feiertage zu meistern und was eben alles so vermeintlich dazugehört heutzutage, kann einem Weihnachten tatsächlich eher Furcht einflössen als Freude machen. Und wer sich dem entziehen will, der fällt meist von einem Extrem ins andere. „Weihnachten? Das feiere ich überhaupt nicht mehr. Alles nur Konsum!“ oder „Wir schenken uns schon seit Jahren nichts mehr zu Weihnachten. Wünsche kann man sich auch übers Jahr erfüllen.“ und „Zum Glück muss ich mir dieses Jahr noch keine Gedanken über ein Geschenk für unser Baby machen, das bekommt das ja sowieso alles noch nicht mit.“

Weihnachten ist nicht das Fest der Geschenke, aber ich finde, Geschenke können Weihnachten noch viel schöner machen, als es so schon ist. Weil Geschenke eben auch die Liebe und Fürsorge ausdrücken, die man für andere empfindet. Und weil es so schön ist, sich auf den Weihnachtsmann zu freuen. Solange ich bei meinen Kindern was zu sagen habe ;-) wird nichts aus Spielzeugkatalogen bestellt, sondern werden Wunschzettel geschrieben, die nachts von den Zwergen abgeholt und zum Weihnachtsmann gebracht werden. Und der zumindest einen Teil der Wünsche vielleicht erfüllt. „Weisst du schon, was du dir vom Weihnachtsman wünschst?“, fragte ich neulich schon mal beim Mäusekleinkind nach. „Eine Decke!“ (Neuerdings möchte sie nämlich über dem Schlafsack noch zugedeckt werden, und des Mäusebabys Babydecke, die sie dafür ausersehen hat, ist so arg klein…) Und wir machten gleich Pläne, wie wir am ersten Advent gemeinsam einen Wunschzettel malen, und ich versicherte dem Mäusekleinkind, dass der Weihnachtsmann so einen bescheidenen, aber dringenden Wunsch ganz sicher erfüllt. Und deshalb bekommt auch das Mäusebaby selbstverständlich etwas zu Weihnachten, ein kleines Spielzeug oder irgendwas zum Anziehen, was wir ihm sowieso kaufen würden. Nicht nur, weil sich sonst die grosse Schwester wundern würde, warum der Weihnachtsmann dem kleinen Bruder denn gar nichts bringt, sondern weil ich es nicht gut finde, zu entscheiden, ab wann ein Kind alt genug für Weihnachten und Geschenke ist. Eine Freundin von mir hat noch ihrem anderthalbjährigen Kind das eigentliche Weihnachtsgeschenk schon eher gegeben, mit der Begründung „sie begreift das ja noch nicht“. Ich bin sicher, das Mäusebaby wird merken, dass Weihnachten ein besonderer Tag ist – weil wir mittags auf dem alten Marktplatz bei der Weihnachtsfriedensverkündigung mit vielen anderen Leuten „Ein’ feste Burg ist unser Gott“ und die finnische Nationalhymne singen werden, weil wir nachmittags in die kleine Kirche, in der alles funkelt, zum Kindergottesdienst gehen werden, weil auf dem Heimweg von der Kirche überall Kerzen brennen werden, weil zu Hause ein bunter Weihnachtsbaum stehen wird, der so gut riecht, weil wir alle kleine Päckchen auspacken werden, deren Papier so schön knistert und die mit so lustigen Bändern verschnürt sind, mit denen man ganz lange spielen kann. Irgendwann, in ein paar Jahren, ganz allmählich, wird Weihnachten zum schönsten Tag im Jahr werden. Und hoffentlich ganz lange bleiben.

Und wie ist das mit den Muumins weitergegangen, die sich so vor Weihnachten gefürchtet haben? Sie haben einen wunderschönen Weihnachtsbaum geschmückt, mit Kerzen und allem, was sie im Hause an Dekoration finden konnten, und sie haben Geschenke verpackt, die schönsten Dinge, die sie besassen, um Weihnachten zu besänftigen: die kleine Strassenbahn aus Schaumgold, die Muscheln, die Muumin im Sommer am Strand gefunden hat, Muuminmamas funkelndes Glasherz… Und dann haben sie auf Weihnachten gewartet. Aber Weihnachten ist nicht gekommen. Nur die kleinen Tiere aus dem Wald, die noch nie so einen wunderschönen Weihnachtsbaum gesehen hatten. Und als Weihnachten bis Mitternacht noch nicht gekommen war, hat Muuminpapa beschlossen, dass es nun wohl auch nicht mehr kommen wird, und dass man das leckere Essen jetzt ruhig gemeinsam essen könnte, und das haben sie gemacht, und den kleinen Waldbewohnern haben sie ihre Geschenke geschenkt, die sie ja nun nicht mehr brauchten, um Weihnachten zu besänftigen, und die kleinen Waldtiere haben sich sehr gefreut, weil sie noch niemals vorher Geschenke bekommen haben, und dann haben die Muumins die Kerzen am Weihnachtsbaum gelöscht und sind wieder in ihre Betten gekrochen und haben weitergeschlafen bis zum Frühling.

Ich habe noch kein Juhannus in Finnland erlebt, an dem es nicht mindestens ein paar Stunden geregnet hätte. (Andererseits habe ich noch kaum einen Sommertag in Finnland erlebt, an dem nicht wenigstens ein, zwei Stunden die Sonne geschienen hätte.) So auch dieses Jahr.

Letztes Jahr haben wir Juhannus mit einem fiebernden Mäusekleinkind verbracht. So auch dieses Jahr.

Auf manche Traditionen könnte ich gern verzichten.

Und was machst du an Mittsommer?

Entgegen aller Vorhersagen und aller Erwartungen – zum letzten Mal war es 2004 so warm und sonnig und die Bäume schon so grün wie heute – konnten wir heute doch Picknick auf dem Observatoriumsberg machen:

Und da das Mäusekleinkind sogar ein bisschen Mittagsschlaf im Wagen gemacht hat, konnten wir sogar den ganzen Tag dort zubringen und uns den nun wirklich allerersten (wenn auch sehr leichten, kaum so zu nennenden) Sonnenbrand des Jahres holen.

…ist ja bloss Vappu am Donnerstag, das traditionell mit Picknick begangen wird…

 

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