Wenn man in Finnland ein Kind kriegt, dann ist ja alles ganz genau geregelt, was man wann und wie und wo machen muss. Nach dem Schwangerschaftstest einen Termin in der Neuvola bei seiner zuständigen Hebamme, die dann die ganze Schwangerschaftsbetreuung übernimmt, machen. (Wenn man da nicht bis zur 16. Schwangerschaftswoche mindestens einmal aufgekreuzt ist, dann gibt’s kein Elterngeld und kein KELA-Paket.) So ungefähr in der 9. Schwangerschaftswoche eine Arztuntersuchung in der Neuvola. In der 11.-13. Schwangerschaftswoche Ultraschall bei Herrn Erikoislääkäri Heikki S. Virtanen. In der 20. Schwangerschaftswoche Ultraschall am gleichen Ort, aber nur von einer spezialisierten Ultraschallhebamme. In der 22. Woche bekommt man von seiner Hebamme ein Formular zum Ausfüllen fürs Krankenhaus, darauf sind alle wichtigen Dinge, die das Krankenhaus wissen muss, vermerkt, sowie je ein Namensvorschlag für einen Jungen und ein Mädchen. In der 36. Woche noch mal eine Arztuntersuchung in der Neuvola. Und wenn es dann soweit ist, dann geht man in die Geburtsabteilung des TYKS.
Wenn man dann mit Kind wieder zu Hause ist, dann steht, bevor das Kind zwei Wochen alt ist, der letzte Besuch bei der Hebamme in der Schwangeren-Neuvola an, zum Check-up von Mama und Kind. Mit drei Wochen geht das Baby zum ersten Mal in die Kinder-Neuvola.
Das haben wir nun alles schon hinter uns gebracht. Nun steht nur noch die Nachuntersuchung für Mama, 5 bis 12 Wochen nach der Geburt, aus. Zu der muss man auch unbedingt gehen, sonst wird das Elterngeld nicht weitergezahlt. Die Nachuntersuchung findet nicht in der zuständigen Schwangeren-Neuvola statt, sondern für alle Turkuer Mütter an zentraler Stelle, an einer Einrichtung mit dem schönen Namen „Verhütungs-Neuvola“. Ähm, ja, einer meiner Lieblingsplätze. Nicht nur, dass ich damals, als ich nach des Mäusekleinkinds Geburt dort war, um mich rum lauter Mütter mit schlafenden Babys im Autositz oder auf dem Arm oder im Wagen, oder vor sich hin starrende Babys mit Schnuller im Mund erleben durfte, während das Mäusekleinkind (damals ein Baby im zarten Alter von 8 Wochen) Terror machte, weil es aus dem Wagen raus und rumgucken wollte und dann doch, während ich untersucht wurde, schreiend im Wagen liegen musste, sondern auch, weil ich mir dort ein bisschen wie ein Teenager – für die diese Einrichtung wohl in erster Linie gedacht ist – behandelt vorkam. Unbedingt und ganz dringend müsse ich über Verhütung nachdenken. Ja, eh klar. Aber erstens fühlte ich mich noch nicht wirklich so, als ob es irgendwelcher Verhütungsmittel bedurft hätte (andererseits aber sehr wohl in der Lage, dann, wenn es wieder soweit sein sollte, auch daran zu denken), zweitens sind mir die Alternativen für stillende Mütter – Minipille oder Spirale – eine so unanwendbar wie die andere, und drittens wollte ich zwar nicht sofort wieder schwanger werden, aber in absehbarer Zeit, so dass mir das Risiko, „nur“ mit Kondomen zu verhüten, nicht wirklich als ein solches erschien. Verlassen habe ich die „Verhütungs-Neuvola“ dann doch mit einem Rezept für die Minipille, das ich nie eingelöst habe… Damit die liebe Seele Ruh’ hat.
Die meisten dieser Termine kann die Neuvolatäti für einen vereinbaren, aber manchmal muss man leider selbst anrufen. Zu vorgegebenen Telefonzeiten, wo dann natürlich sämtliche Mütter Turkus, die zum selben Zeitpunkt entbinden werden / entbunden haben (und das sind nicht wenige, wenn man sich die Sockentafeln mal anguckt – hier von Mäusekind I, hier von Mäusekind II) anrufen. Als ich also gestern in der „Verhütungs-Neuvola“ anrufen wollte, um einen Termin zu vereinbaren, war dort entweder besetzt, es ging niemand ran, oder ich hatte – so hörte es sich zumindest an – das Faxgerät am Telefon. Als das ungefähr zum zwanzigsten Mal passierte, mir das Mäusekleinkind gerade etwas erklärte, vergass ich einfach, sofort aufzulegen – und hörte nach ungefähr 10 Sekunden Gepfeife und Gepiepse die Ansage: „Alle unsere Leitungen sind belegt. Bitte bleiben Sie dran.“ Ah ja. Toller Warteton, wirklich!
(Immerhin konnte ich nach fünf Minuten Wartezeit dann doch einen Termin ausmachen – wobei ich diesmal auch sofort gefragt wurde, welche Art der Verhütung ich denn gedenke anzuwenden. Aber nun schon erfahren habe ich, ohne mit der Wimper zu zucken, mit „Minipille“ geantwortet.)



10 comments
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Donnerstag, 12. Juni 2008 um 15:15
Ann-Christin
Gibt es keine private Verhuetungs-Neuvola? Bei unseren Privatärzten hier in Helsinki, die die Arbeit dankbarerweise bezahlt, bekommt man sehr, sehr netten Service, schnell und wird behandelt wie ein Erwachsener. Kostet ja auch. Private Gynäkologen muss man natuerlich selbst bezahlen, aber ich fand, den Preis nicht soooooooooo sonderlich hoch und zahle gern fuer netten, schnellen und vor allem guten Service.
Donnerstag, 12. Juni 2008 um 16:56
jo
Oh ja, bei uns in Portugal ist es ähnlich kompliziert und auch hier wird man sofort zu Verhütung und Co (die ich ebenfalls unbrauchbar finde) gedrängt, welche auch nur wenn man alle staatlichen Resourcen in Anspruch nimmt (und hier kann man nicht mal per Telefon sondern nur persönlich Termine machen) bezahlt werden. Daher bin ich auch nur privat (und teuer) in Behandlung, das andere ist schlicht nicht machbar (für mich)
lg jo
Donnerstag, 12. Juni 2008 um 22:11
Fabrice Pi
Sonst klingt das, was Sie über Finnland schreiben, meistens verlockend. Aber dieser Text relativiert einiges. Ich möchte nicht, daß der Staat mich wie einen renitenten Halbwüchsigen oder einen potentiellen Kriminellen behandelt.
Freitag, 13. Juni 2008 um 10:35
Karen
Ach, naja, sooo schlimm ist es nun auch wieder nicht…
Ob man die Nachuntersuchung auch privat machen kann, weiss ich nicht, aber private Neuvolas gibt es auf jeden Fall. Allerdings bin ich mit der „staatlich verordneten“ Neuvola durchaus zufrieden und insgesamt mit der Schwangerschaftsbetreuung sehr viel zufriedener als ich es in Deutschland wäre. Nur diese „Verhütungs-Neuvola“ ist eben ein bisschen seltsam.
Dienstag, 17. Juni 2008 um 00:41
schlapunzel
Ist ja heftig, was Du da alles zu tun hast, so neben dem üblichen Familienchaos…ganz schön viel verlangt. Allerdings keine wirklich schlechte Sache. So sehen wenigstens ein paar Fachleute Mutter und Kind in der ersten Zeit und könnten eingreifen, wenn es massive Probleme gibt. Find ich gar nicht so schlecht. Und das Kela-Paket bekommt man geschenkt??? Und was hat es mit den Socken auf sich!?!? Entschuldige, falls Du es schon mal erklärt hast, aber ich les ja noch nicht so lange mit :-)
Dienstag, 17. Juni 2008 um 10:25
Karen
Ich glaube eigentlich nicht, dass es mehr ist, was man hier „zu tun“ hat als in Deutschland. Da muss man doch auch mit dem Baby zu diversen Us?! (Zu dem 2-Wochen-nach-der-Geburt-Check-up kommt eigentlich die Neuvolatäti sogar nach Hause – aber nicht bei uns in der grossen Stadt.) Es ist vielleicht nur reglementierter, was man eben wann zu machen hat. Und diese Nachuntersuchung der Mutter, die finde ich – bis auf diese lästige Verhütungsmittel-aufdräng-Sache – eigentlich ganz sinnvoll. Nur doof, wenn man mit zwei kleinen Kindern da aufkreuzen muss…
Ja, das KELA-Paket bekommt man geschenkt, bei jedem Kind. Wahlweise kann man auch 140 € nehmen, aber das macht kaum jemand (vielleicht beim 5. Kind oder so, wenn man wirklich schon in Babyklamotten und -zubehör ertrinkt), weil der Wert der Sachen im Paket das bei Weitem übersteigt.
Und die Sockentafel hängt im Gang auf der Geburtsstation, da wird für jedes geborene Kind eine Socke aufgehängt. Von oben nach unten, das sind die Wochentage (ist eine Woche rum und man wieder beim gleichen Wochentag angelangt, wird der entsprechende Tag abgehängt und neu angefangen), von links nach rechts die ungefähre Tageszeit. Blaue Socken sind Jungs, rosa oder rote Socken Mädchen. Zwei Socken an einer Klammer sind Zwillinge, eine verkehrt herum aufgehängte Socke eine Steissgeburt, eine Socke mit Bändel ein Kaiserschnitt.
Ich finde das sehr bezeichnend für die ganze Atmosphäre auf der Geburts- und der Neugeborenenstation hier – alles sehr liebevoll, und man merkt , dass die Leute Spass an ihrer Arbeit haben, auch wenn es bei den Massen von Babys, die hier geboren werden, schon manchmal etwas stressig zugeht…
Dienstag, 17. Juni 2008 um 18:44
schlapunzel
Wow, das ist toll mit dem Kela Paket! So schöne Sachen und alle sinnvoll- da würden sich hier in Deutschland auch viele Muttis drüber freuen…Und das mit der Sockentafel ist richtig, richtig nett! Da merkt man wirklich, dass Kinder eine hohe Wertschätzung erfahren. Übrigens hatte ich hier in D auch die Verhütungsnachsorge Untersuchung. Mir wurde zwar nicht wirklich was aufgedrängt, aber auch hier wurde mir schwer ins Gewissen geredet. Und dabei hatte ich zu der Zeit nun wirklich alles andere als Se.x im Kopf ;-)
Mittwoch, 18. Juni 2008 um 02:40
D.
auf die idee sollte man in den u.s.a. auch mal kommen *g*
Mittwoch, 18. Juni 2008 um 11:13
riksu
natürlich gibt es hier in D auch diese nachsorge der mutter inkl der verhütungsfrage. vielleicht fragt der frauenarzt nur nicht so eindringlich nach der verhütung… es kann also im allgemeinen gespräch untergehen. und wir dürfen die stilldemenz nicht unterschätzen *grins*
Mittwoch, 18. Juni 2008 um 16:20
jo
Och wie schön die Sockentafel, so ganz genau dann auch noch ;-)
Ich glaub ich zieh nach Finnland ;-)