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Das heutige Doktorandenseminar war eine (so nicht geplante) Mathenachhilfestunde. Ist jetzt vielleicht endlich klar, warum wir uns so dringend einen Statistiker wünschen, zu dem wir mit unseren ungeklärten Fragen gehen können, und der notfalls auch geduldig nochmal ganz unten bei den Grundlagen anfängt zu erklären? Kann uns den bitte jemand finanzieren? Danke.
(7) Mit dem Kleinkind in die Stadtbibliothek gehen
Seit März hat die neue Stadtbibliothek in Turku geöffnet. Ganz fertig ist sie ja noch nicht, denn – das alte Bibliotheksgebäude ist leergeräumt, und im Neubau gibt es vorerst nur Kinder- und Fachbücher. Romane und sowas gibt’s bis zum nächsten Jahr, wenn das alte Bibliotheksgebäude renoviert sein wird und man dann durch einen Gang zwischen altem und neuem Gebäude hin- und herwandeln kann, vorübergehend eine Strasse und zwei Ecken weiter.
Der gestern geplante ausführliche Bibliotheksbesuch erforderte deswegen gleich zu Beginn eine Entscheidung – holen wir Bücher für Mama, oder holen wir Bücher für das Mäusekleinkind? Beides wäre angesichts der schon fortgeschrittenen Tageszeit und Müdigkeit des Mäusekleinkindes nicht mehr wirklich möglich gewesen. Die Entscheidung fiel nicht schwer. Denn erstens weiss Mama, dass sie notfalls auch Kinderbücher lesen kann, während das andersherum nicht so gut möglich ist. Und zweitens weiss Mama, wie sie ein müdes, unglückliches Mäusekind wieder so glücklich machen kann, dass sie in aller Ruhe Bücher auswählen kann – indem sie es in der Kinderbibliothek herumkrabbeln lässt.
Ach, ist es schön dort! Die Bücher stehen dort in niedrigen Regalen in kindgerechter Höhe, sortiert nach Alter und Sprache und Themen und angeordnet in Karrees. Und in jedem Karree liegt ein andersartiger Teppich. Ein weisser, flauschiger. Ein blauer samtiger. Bei den schwedischen Büchern ein gelber mit Gumminoppen. Bis man die alle bekrabbelt und befühlt hat! Und dann ist alle paar Meter eine Glasscheibe in den Fussboden eingelassen, unter der etwas zu sehen ist: eine Kiste mit glitzernden Schätzen. Zwei Plastedinosaurier, die an einer Kunstblume fressen. Ein grosses Spinnennetz aus Watte. Und in jedem Karree steht ein Sofa oder ein Sessel oder so Reifen, in die man sich reinfläzen kann, und ein Krabbelkind kann sich prima daran hochziehen! Und Spielzeug gibt es ausserdem noch! So ein Kugeldingens, und einen kleinen Puppenwagen, und… Und der Ausleihautomat für Kinder erst! Der blinkert und macht Geräusche, während er ein Buch oben einsaugt und unten wieder auswirft und derweil die Quittung druckt!
Möchte jemand einen Tipp abgeben, was schwieriger war – das Kind während des Bücherauswählens bei guter Laune zu halten, oder das Kind anschliessend zum Nachhausegehen zu überreden? ;-)
Letzteres ging einher mit dem festen Versprechen, demnächst wieder zu kommen und dafür mindestens eine Stunde einzuplanen Mama kann ja derweil lesen! :-)
Einzig schade ist, dass es Bilderbücher für ganz Kleine nur auf Finnisch gibt. (Ja, ich weiss, ich bin unbescheiden angesichts der riesigen Auswahl an Erwachsenenbüchern und Büchern für grössere Kinder auf Deutsch. Und auf Russisch. Und Arabisch. Und Holländisch. Und Hebräisch. Und Türkisch. Und…) Aber bei Bilderbüchern schafft Mama es auch ja auch noch mit Simultanübersetzen. :-)
(6) Fähre fahren II
(5) Den städtischen Friedhof besuchen
(4) Schwimmen in Turkus kleinster Schwimmhalle
(3) Rullern
(2) Fähre fahren I
(1) Fähren gucken
Gestern stand John vor meiner Bürotür: ”Hallo Karen, hast du Zeit für einen Tee?” ”John, du? Klar. Aber was machst du denn in Turku?” John, der Kanadier mit der finnischen Frau. Der damals gerade in Jyväskylä studierte, als ich für meine Diplomarbeit nach Jyväskylä kam. Einer der ersten Leute, die ich in Finnland kennenlernte. Seither sind wir uns immer wieder über den Weg gelaufen. ”Hast du deine Diplomarbeit fertig?” – ”Wie kommst du mit deiner Doktorarbeit voran?” – ”Du hast schon verteidigt, hab’ ich gehört?” – ”Wie alt sind deine Kinder inzwischen?” – ”Hast du einen Job?” – ”Willst du immer noch in Finnland bleiben?”
Ja, wollen wir. Alle beide. Auch wenn es mit Jobs für Ökologen wirklich nicht rosig aussieht. Schon gar nicht für Ausländer. Aber alleine, dass es eigentlich kein besseres Land gibt um seine Kinder grosszuziehen, ist ein Grund hierzubleiben.
Und Finnland ist uns ja auch ein Zuhause geworden. Wann war das, als wir uns zum ersten Mal getroffen haben? Acht Jahre soll das schon her sein?!


