(… aber nur, wenn sie die Erwachsenen nicht stören!)

Um nochmal auf die Diskussion um die Deutsche Gemeinde zurückzukommen: in unserer internationalen Gemeinde gibt es nur zwei Kinder – Anniina, und Samuel, der noch viel kleiner ist. Natürlich war uns klar, dass wir mit Anniina nicht mehr jeden Sonntag zum Gottesdienst gehen würden. Aber ganz darauf verzichten wollten wir auch nicht. Wir haben erstmal mit dem halbstündigen evensong donnerstags getestet, ob es überhaupt geht – und durchwegs positive Reaktionen erfahren. ”Das ist so schön, dass ihr sie mitbringt!” ”Ach, das macht doch nichts, wenn sie mal ein bisschen schreit.” ”Wollt ihr wirklich nicht am Sonntag kommen? Wenn es ihr doch zu lang wird, könnt ihr ja immer noch zur Not wieder rausgehen.” ”Oder kommt doch wenigstens zum Kaffee vorbei!”

In der Deutschen Gemeinde gibt es mehr Kinder. Dort gibt es auch eine Kleinkinderbetreuung und einen Kindergottesdienst während des Gottesdienstes für die Erwachsenen.

Falls es in unserer Gemeinde mal mehr Kinder geben sollte, werden wir das auch so machen. Aber im Moment wären die beiden Babys sowieso noch zu klein dafür. Also bringen wir sie einfach ab und zu sonntags mit in den Gottesdienst. Da Anniina sich mittlerweile fast stundenlang selbst beschäftigen kann, wenn sie nur auf dem Boden liegen darf und etwas Neues untersuchen kann, hat sie den grössten Teil des Gottesdienst statt bei uns auf dem Schoss auf ihrer Decke liegend, meine Tasche untersuchend, verbracht. Sie war so darin vertieft, dass sie in lautes Protestgeheul ausgebrochen ist, als ich sie zum peace exchange hochnehmen wollte. Deshalb haben wir sie während des Abendmahls auch gleich liegenlassen statt sie mit zum Altar zu nehmen.

Am Montag bekam der Ähämann eine mail von einem sehr lieben (kinderlosen) Gemeindemitglied – er hätte das mal in einer Kirche erlebt, dass für die Kleinkinder eine grosse Decke vor dem Altar lag und die dann die ganze Zeit während des Gottesdienstes darauf gespielt hätten. Und ob wir das nicht auch einführen wollten.

Am Mittwoch hörte ich, in der Deutschen Gemeinde hätte es heftige Auseinandersetzungen über den Weihnachtsgottesdienst gegeben. Die Mütter wollen gern, dass die Kinder zu Weihnachten mal nicht rausgeschickt werden, und setzen sich für einen Familiengottesdienst ein. Die kinderlosen Erwachsenen allerdings wollen doch bitte zu Weihnachten einen recht ”feierlichen” Gottesdienst. Bitte ohne Kinder.

Und sowas nennt sich Christen! Ich hab’s ja schon immer gewusst, dass die Deutsche Gemeinde nichts für uns wäre…