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Noch ein bisschen wackelig, aber lääänger als eine Minute. :-)

”Im Tunnel kein Schnee”

Tja. Ausserhalb des Tunnels auch nicht. :-(

Die “Zwillinge” Anniina und Samuel


(© Ruth)
”Wie, Männer können auch Babys stillen?!”

Hä? Ganz einfach: man nehme vier befreundete Ehepaare, von denen eines die godparents des Sohnes eines zweiten Ehepaares sind, dessen Mutter die godmother und der Mann des dritten Ehepaares der godfather des Mannes des vierten Ehepaares (welcher mein Ähämann ist) sind. Und schon sind wir alle verwandt. ;-)

Ich, die ich nie eine grosse Familie mit Geschwistern, Grosseltern, Onkeln, Tanten, Cousins erlebt habe, bin so dankbar, dass ich auf einmal - in der Fremde, weit weg von meiner eigentlichen Familie – eine grosse, fröhliche, warmherzige ”Familie” bekommen habe. Diese ”Familie” ist für den Ähämann, Anniina und mich mehr als eine Gruppe anderer Menschen in der Fremde, mehr als ein grosser, gemeinsamer Freundeskreis, etwas anderes als das abgedroschene ”Brüder und Schwestern in Christus” – wenngleich von jedem etwas:

Eine ”Familie”, die sich umeinander sorgt. Eine ”Familie”, die man um Rat fragen kann. Eine ”Familie”, die gemeinsam feiert. Eine ”Familie”, die geschlossen am zweiten Tag nach Anniinas Geburt im Krankenhaus anrückte, um das neue ”Familienmitglied” zu begrüssen. Eine ”Familie”, in der jeder einzelne so viel zu erzählen hat, dass ich stundenlang immer nur zuhören könnte (Wer hat schon einen britischen ”Schwiegervater”, der in Afrika geboren und aufgewachsen ist und seit 30 Jahren in Finnland wohnt? Eine amerikanische ”Tante”, die in Island gearbeitet hat? Eine ”Schwester” aus South Carolina und einen ”Schwager” aus Südfinnland, die eine rührende lovestory erlebt haben?)

Gestern haben wir gemeinsam bei Ville und Leigh Ann Thanksgiving (nach)gefeiert. Hmmmh, und es gab soooo leckeres und sooooo unfinnisches (und für mich überhaupt so, ja, fremdes) Essen: Truthahn, Süsskartoffleln, Brokkoliauflauf, Maisbrot, Geleesalat, Kürbiskuchen.

Und Anniina hat den ganzen Abend friedlich in ihrem Reisebettchen im Zimmer nebenan geschlafen. :-)

Während alle seit Wochen jammern, dass es so dunkel sei, freue ich mich immer besonders, wenn ich nachmittags in der Stadt bin und das Licht so schön ist – so ein Blau, in dem die Leuchtreklamen besonders intensiv leuchten:

Das Beste ist, dass – wenn es klar ist – diese blaue Stunde tatsächlich eine ganze Stunde dauert. Aber leider ist es schon seit Wooooooochen nicht mehr klar gewesen. :-(

dieser Eintrag ist eigentlich ganz allein für dich. Weißt du noch, als du uns die Sparkassen-Söckchen geschenkt hast? Das ist Uuuuurzeiten her, und damals war an euer Patenkind überhaupt noch nicht zu denken. Und jetzt hast du sie immer noch nicht damit gesehen! Und ehe es vielleicht zu spät ist und sie den Söckchen entwachsen ist – denn das geht schnell – haben wir vorgestern mal schnell zur Kamera gegriffen und den werbewirksamen Anblick für dich festgehalten.

Und warum ich dir das Foto nicht per mail schicke, sondern dir hier so einen öffentlichen Brief schreibe? Weil ich mal wieder was erzählen muss:

Als ich in Jena diesen tollen – du kannst dir vorstellen - ”Beratungstermin” auf der Sparkasse hatte, dachte ich, das wäre DIE Gelegenheit, Anniina in den entsprechenden Söckchen zu präsentieren. Ich dachte, mein Sparkassenmensch täte sich vielleicht freuen, von wegen Treue und Anhänglichkeit zu meiner alten Bank und so… Aber was sagt er dazu: ”Och, die gibt’s dort wohl auch?!”

Mensch, Mestari, warum hast du die ganze Arbeitssuche und alles auf dich genommen, wenn du dich doch hättest einfach in eine finnische Filiale versetzen lassen können?!

Viele Grüsse,
deine Karen

P. S. Eigentlich sollte ich mich nicht mehr wundern. Denn das kennen wir ja alles schon.

In einem Monat müsste sie schon in den Kindergarten gehen! Da es aber wenig Sinn macht, eine Eingewöhnungszeit im Kindergarten VOR den Weihnachtsfeiertagen zu machen, habe ich beschlossen, erst ab Februar wieder arbeiten zu gehen. Und überhaupt, sie ist ja noch soooo klein… *seufz* Andererseits gehen wir seit ein paar Wochen in eine kleine, privat organisierte deutsche Krabbelgruppe (naja, ”Gruppe” – drei Mütter und drei Babys eben, von denen Anniina das jüngste ist) – und sie findet es so toll! Während sie sonst vormittags immer ein bisschen ningelig und gelangweilt ist und meist auch noch ihren Vormittagsschlaf braucht, ist an Krabbelgruppenvormittagen an schlafen nicht zu denken. Da ist ja alles so spannend! Das viele unbekannte Spielzeug! Die anderen Kinder! Und wenn ich sie da so sehe, dann ist mir bei der Vorstellung, sie bald in einen Kindergarten zu geben, schon viel weniger bange.

Schlafen klappt inzwischen ganz gut. Eine reichliche Stunde vormittags, eine reichliche Stunde nachmittags. Zehn Stunden nachts. Danach hat sie sich meist in ihrem Bett in eine Ecke gearbeitet und muss von mir gerettet werden. Danach schläft sie nochmal ein, zwei Stündchen bei Mama im Bett.

Essen immer noch wenig. Das Mäusemädchen hat eben einen echten Mäusemagen. Immerhin hat sie in acht Monaten endlich geschafft, ihr Geburtsgewicht zu verdoppeln. Tolle Leistung, oder?!

Zähne noch keine. Sitzen fast. Krabbeln fast. Und jeden Tag wird sie süsser! :-)))

Gestern den ganzen Tag das Licht angehabt.

Vater, Mutter und Kind haben Schnupfen.

Richtig toll. :-/ Wenigstens ist Wochenende.

(… aber nur, wenn sie die Erwachsenen nicht stören!)

Um nochmal auf die Diskussion um die Deutsche Gemeinde zurückzukommen: in unserer internationalen Gemeinde gibt es nur zwei Kinder – Anniina, und Samuel, der noch viel kleiner ist. Natürlich war uns klar, dass wir mit Anniina nicht mehr jeden Sonntag zum Gottesdienst gehen würden. Aber ganz darauf verzichten wollten wir auch nicht. Wir haben erstmal mit dem halbstündigen evensong donnerstags getestet, ob es überhaupt geht – und durchwegs positive Reaktionen erfahren. ”Das ist so schön, dass ihr sie mitbringt!” ”Ach, das macht doch nichts, wenn sie mal ein bisschen schreit.” ”Wollt ihr wirklich nicht am Sonntag kommen? Wenn es ihr doch zu lang wird, könnt ihr ja immer noch zur Not wieder rausgehen.” ”Oder kommt doch wenigstens zum Kaffee vorbei!”

In der Deutschen Gemeinde gibt es mehr Kinder. Dort gibt es auch eine Kleinkinderbetreuung und einen Kindergottesdienst während des Gottesdienstes für die Erwachsenen.

Falls es in unserer Gemeinde mal mehr Kinder geben sollte, werden wir das auch so machen. Aber im Moment wären die beiden Babys sowieso noch zu klein dafür. Also bringen wir sie einfach ab und zu sonntags mit in den Gottesdienst. Da Anniina sich mittlerweile fast stundenlang selbst beschäftigen kann, wenn sie nur auf dem Boden liegen darf und etwas Neues untersuchen kann, hat sie den grössten Teil des Gottesdienst statt bei uns auf dem Schoss auf ihrer Decke liegend, meine Tasche untersuchend, verbracht. Sie war so darin vertieft, dass sie in lautes Protestgeheul ausgebrochen ist, als ich sie zum peace exchange hochnehmen wollte. Deshalb haben wir sie während des Abendmahls auch gleich liegenlassen statt sie mit zum Altar zu nehmen.

Am Montag bekam der Ähämann eine mail von einem sehr lieben (kinderlosen) Gemeindemitglied – er hätte das mal in einer Kirche erlebt, dass für die Kleinkinder eine grosse Decke vor dem Altar lag und die dann die ganze Zeit während des Gottesdienstes darauf gespielt hätten. Und ob wir das nicht auch einführen wollten.

Am Mittwoch hörte ich, in der Deutschen Gemeinde hätte es heftige Auseinandersetzungen über den Weihnachtsgottesdienst gegeben. Die Mütter wollen gern, dass die Kinder zu Weihnachten mal nicht rausgeschickt werden, und setzen sich für einen Familiengottesdienst ein. Die kinderlosen Erwachsenen allerdings wollen doch bitte zu Weihnachten einen recht ”feierlichen” Gottesdienst. Bitte ohne Kinder.

Und sowas nennt sich Christen! Ich hab’s ja schon immer gewusst, dass die Deutsche Gemeinde nichts für uns wäre…

Die Turkuer Bibliothek zieht um. Von jetzt bis März. Deswegen sind wir letzte Woche mehrmals in die Bibliothek gepilgert um einen Wintervorrat anzulegen:

Damit es länger reicht, habe ich auch ein paar finnische Bücher ausgeliehen. Und wenn die alle ausgelesen sind, dann widme ich mich vielleicht ENDLICH mal meinen Lehrbüchern, die ich für mein Buchexamen lesen muss… *seufz*

Nach zwei Jahren haben wir das dann doch nochmal überdacht. Denn was ein ordentlicher Finne werden will… ;-)

Seit heute besitzen wir eine S-Etukortti und eignen einen winzigen Anteil - mit 100 € sind Sie dabei - der S-Gruppe. Dafür bekommen wir jetzt von jedem Einkauf was zurückgezahlt, und am Ende des Jahres 10% ”Zinsen” auf unsere 100 €. Und sollten wir die Karte irgendwann zurückgeben wollen, gibt es auch die 100 € zurück. Na, das gefällt mir als sozusagen altem Genossenschaftler doch eigentlich recht gut!

Finnisierung I
Finnisierung II
Finnisierung III
Finnisierung IV
Finnisierung V

Die Frau von Düne Sieben hat weit ausgeholt und ein Stöckchen bis ins winterliche Finnland geworfen. Ich hab’s vor lauter Freude über den vielen neuen Schnee gar nicht gleich aufgehoben, sondern erstmal einschneien lassen. Aber die Fragen hab’ ich mir gemerkt, und jetzt, wo der Schnee schon fast wieder alltäglicher Anblick geworden ist ;-) kann ich sie ja mal eben beantworten. Aaaalso:

Wolltest Du schon immer ein Kind?
Ja. Und nein, nicht nur eins. Drei! Irgendwann. Später.

Was meinte damals der Papa des Kindes dazu?
Der war einverstanden. Nein, falsch: er will lieber vier. „Und bitte wann können wir endlich damit anfangen?“

Wann hast Du Dich dann doch für ein Kind entschieden?
Als wir richtig in Finnland angekommen waren und auf einmal alles stimmte. Alles? Fester Job, grosse Wohnung, gesichertes Einkommen? Nö. Aber als da auf einmal ganz stark das Gefühl da war, hier und jetzt ist der richtige Ort und die richtige Zeit, um einen kleinen Menschen ins Leben zu begleiten.

Gibt es jemanden, der behauptet, er wäre “schuld” daran, daß Du ein Kind bekommen hast?
Abgesehen von all den Mirkkas, Marjaanas, Miias, Tanjas… die alle gerade schwanger waren oder kleine Kinder hatten und mich durchaus in meinem Kinderwunsch beeinflusst haben ;-) gibt es eine Person, die sich mit Recht als besonders „schuldig“ ansieht. Ich erinnere mich insbesondere an ein Telefongespräch über Folsäureeinnahme, finnische Geburtskliniken und KELA-Pakete, bei dem mir nach ungefähr einer Stunde aufging, dass ich vielleicht erstmal die Pille absetzen und dann bei Bedarf das Thema weiter vertiefen sollte… ;-)

Wie alt warst Du bei der Geburt Deines ersten Kindes?
29.

Gibt es etwas, was Du einer angehenden Mutter als Ratschlag mitgeben würdest?
Keine Sorge, das ist alles normal! Und glaub mir, es wird jeden Tag einfacher. Und jeden Tag schöner. :-)

Was findest Du toll an anderen Müttern?
Geduld. Gelassenheit. Wenn sie ihre Kinder ernstnehmen. Viel mit ihnen reden. Mit ihnen lachen. Wenn sie mehr als die zwei „Standardkinder“ haben.

Welche blöde Frage hat man Dir als Mutter gestellt?
„Aber es ist doch kein Schreikind?!“

An wen gibst Du das Stöckchen weiter?

Ich kann nicht. Es liegt fest unter einer dicken Schicht aus gefrorenem Matschschnee. Aber wer sich’s ausbuddeln möchte oder beim nächsten Tauwetter aufheben…

Ich fahr’ sooooooooo gern Auto auf vereisten und verschneiten Strassen!

(Endlich geht’s wieder! Und ätsch, diesmal war ICH die Erste!)